Beiträge von LucyBat

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    Die kleine Trompete


    Die kleine Trompete konnte von dem Balken aus, an dem sie hing, direkt auf den Marktplatz mit dem Holperpflaster und den lustigen Fachwerkhäusern schauen. Da unten war immer was los, und die Trompete konnte dem alten Schrank, der nicht so weit gucken konnte, immer erzählen, was es im Städtchen neues gab.

    Der alte Schrank mit den Kleidern aus Urgroßmutters Zeiten und die kleine, glanzlose Messingtrompete lebten nun schon viele, viele Jahre hier oben auf dem Spitzboden im Hause des Stadtapothekers. Man hatte sie einfach vergessen, und nie fand einer den steilen Treppenweg hier hinauf. Es war gut, dass sie zu zweit waren.

    Aber der kleinen Trompete ging es gar nicht gut. Der Herbststurm hatte das Bodenfenster, vor dem sie baumelte, eingedrückt, und der kalte Dezemberwind blies heftig in ihren Hals. Der alte Schrank meinte, dass der Apotheker ruhig einmal den Lehrbuben schicken sollte mit einem heißen Brusttee oder braunen Malzbonbons. Doch es kam natürlich keiner.


    Immer kälter wurde es, und als eines Morgens der Schrank und die Trompete aufwachten, da hatte es draußen geschneit, und die lustigen Fachwerkhäuser mit den tief herabgezogenen Dächern hatten dicke, weiße Pelzmützen auf.


    „Es muss bald Weihnachten sein!“meinte die kleine Trompete und dachte wehmütig an längs vergangene Zeiten, als auf ihr die schönsten Weihnachtschoräle geblasen worden waren. Jetzt aber war sie stumpf und ohne Glanz, ihr Mundstück war einmal abgefallen und die dicke rote Troddel – ihr ganzer Stolz – war grau von Staub. Nein, man konnte wirklich keine Ehre mit ihr einlegen. Und wer jetzt gesehen hätte, wie ein paar geschmolzene Schneeflocken von ihr herab tropften, der hätte glauben können, dass die traurige kleine Trompete weinte!


    Weihnachten! Wie lange wünschte sie sich schon, noch einmal ein richtiges Weihnachtsfest erleben zu können, statt hier auf dem Boden an einem dicken Balken zu hängen! Ein Windzug blies in das Fenster, und die Trompete schaukelte so heftig hin und her, dass sie sich plötzlich im Fensterkreuz verfing und dort hängen blieb.


    „He!“ rief der Schrank,“fall nicht ganz raus vor lauter Neugier!“Aber obwohl es hier draußen noch kälter war als auf dem Boden, lachte die kleine Trompete nur.


    Unter ihr auf dem Marktplatz bauten gerade zwei Buben an einem riesigen Schneemann. Der stand an jedem Christabend hier, und vor ihm stellten sich dann die“Stadtpfeifer“auf und sangen Weihnachtslieder. Die Stadtpfeifer, das waren elf Jungen, die mit ihrem Lehrer an jedem Heiligen Abend alte Weisen in den Strassen und Gassen des Städtchens sangen. Ohne sie gab es kein Weihnachtsfest. Und die beiden Buben, die hier jetzt an ihrem Schneemann bauten, waren zwei von den elfen.“Du“, sagte Thomas, der dem Schneemann eine dicke Mohrrübe als Nase ins Gesicht drückte,“Lehrer Martin hat auch gemeint, im nächsten Jahr sollten wir auf eine Trompete sparen, damit einer blasen kann, wenn wir singen. ” Sein Bruder Gottfried nickte.“Ja, fein wär’s schon. Aber so eine Trompete ist bestimmt sehr teuer!” Damit setzte er die Fäuste wie eine Trompete an den Mund und blies hinein. Thomas schaute ihn an.“Ja, weißt du, so ähnlich müsste es klingen, aber eine richtige Trompete, die wäre halt noch viel, viel schöner!” Ja, das dachte auch die kleine Trompete, die hoch über den beiden hing. Aber sie dachte noch weiter. Sie dachte:“Ach, wenn mich doch der Wind abreißen würde, solange noch die beiden Buben da unten stehen! Dann würde ich wieder Weihnachtslieder spielen können!”


    Ob der Wind Gedanken lesen konnte? Hatte er erraten, was die kleine Trompete dachte, die er lachend hin und her schaukelte? Mit einem Satz packte er sie, riss an dem morschen Band – und in hohem Bogen fiel sie in den weichen Schnee, dem Schneemann genau vor die Füße. Nicht wahr, das ist kaum zu glauben?

    Der Thomas und der Gottfried aber standen eine Weile wie stumm. Da war ihnen eine Trompete ja geradewegs aus dem Himmel auf den Markt gefallen! Was macht es da, dass sie kein Mundstück mehr hatte und ihre Troddel grau war statt rot!


    „Du, wenn wir die putzen, glänzt die wie richtiges Gold!” rief Thomas strahlend.

    Und so kam es, dass auf der kleinen Trompete am Christabend viele Weihnachtslieder geblasen wurden. Das klang so schön zu dem frommen Gesang der Buben über den Marktplatz, dass die Leute ihre Fenster weit öffneten und still und glücklich in den sternklaren Heiligen Abend hinaus schauten. So schön war das Weihnachtssingen der Stadtpfeifer noch nie gewesen!


    Und der alte Schrank? Ja, denkt an, der Apotheker hat sich plötzlich seiner erinnert und ihn am Tage vor Weihnachten die Stiege hinunter schaffen lassen, so dass er auf einmal gar nicht mehr einsam war. Die kleine Trompete aber hat der Apotheker nicht vermisst. Er konnte sie ja auch nicht brauchen. Die lag goldglänzend mit einer prächtigen Troddel in einem bunten Holzkasten unter dem kerzenschimmernden Tannenbaum auf dem Gabentisch der Stadtpfeiferbrüder Thomas und Gottfried.





    Wie der Christbaum entstand


    Etwas müde stapfte der Weihnachtsmann durch den tiefen Schnee. Sein Atem bildete kleine Wolken in der kalten, kristallklaren Luft, die in immer kürzeren Intervallen geradewegs aus den Tiefen seines schneeweißen Bartes zu kommen schienen. Er war ärgerlich. Er hatte nämlich nicht mehr so recht Freude an seiner Tätigkeit. Es war alle Jahre dasselbe. Es war kein Schwung in der Sache. Nur Spielzeug und Süßigkeiten, das reichte wohl nicht mehr. Das ganze Jahr über hatte der Weihnachtsmann schon darüber nachgedacht, was er wohl Neues erfinden könne, um einmal wieder eine rechte Weihnachtsfreude in die Kinderwelt zu bringen, eine Weihnachtsfreude, an der auch die Großen Freude hätten. So stapfte er denn auch durch den verschneiten Wald, bis er an den verabredeten Punkt kam, wo er das Christkind treffen wollte. Schon von Weitem sah er, dass das Christkind da war, denn sein heller Schein, den es umgab, war nicht zu übersehen.


    Als das Christkind den Weihnachtsmann sah, rief es: " Na Alterchen, wie geht`s?" und fragte: "Hast wohl schlechte Laune?" Danach hakte es den Alten unter und ging mit ihm. "Ja", sagte der Weihnachtsmann, "die Sache macht mir keinen Spaß mehr. Liegt es am Alter oder an sonst was, ich weiß es nicht. Das mit den Pfefferkuchen, Äpfeln und Nüssen, das ist nichts mehr. Das essen sie auch und dann ist das Fest vorbei. Man müsste etwas Neues erfinden." Das Christkind nickte und machte ein nachdenkliches Gesicht. Dann sagte es: "Da hast du Recht, Alter, mir ist das auch schon aufgefallen. Ich habe auch schon daran gedacht, aber das ist nicht so leicht." "Du hast Recht", brummte der Weichnachtsmann. "Ich habe schon richtige Kopfschmerzen vom vielen Nachdenken und es fällt mir doch nichts Vernünftiges ein. Wenn es so weitergeht, schläft allmählich die ganze Sache ein und es wird ein Fest wie alle anderen, von dem die Menschen dann weiter nichts haben als Faulenzen, Essen und Trinken."


    Nachdenklich gingen beide durch den verschneiten Winterwald. Es war so still im Wald, kein Zweig rührte sich. So kamen die beiden auf eine wunderschön gewachsene Tanne zu. Der Mond schien hell und klar, alle Sterne leuchteten, der Schnee sah aus wie Silber und die Tanne stand da – es war eine Pracht, sie anzusehen. Sie sah toll aus, war gleichmäßig gewachsen und hatte auf jedem Zweig einen Schneestreifen. An den Zweigspitzen befanden sich kleine Eiszapfen, die im Mondschein glitzerten. Das Christkind ließ den Arm des Weihnachtsmannes los, stieß den Alten in die Seite, zeigte auf die Tanne und fragte: "Ist das nicht wunderschön?" "Ja", sagte der Alte, "aber was hilft mir das?" "Gib ein paar Äpfel her", sagte das Christkind, "ich habe eine Idee." Der Weihnachtsmann machte ein dummes Gesicht, denn er konnte es sich nicht recht vorstellen, dass das Christkind bei der Kälte Appetit auf die eiskalten Äpfel hatte. Er griff in einen der Säcke, die er bei sich trug und reichte ein paar schöne Äpfel heraus. "Sieh, wie schlau du bist", sagte das Christkind. "Nun schneide mal einige Bindfäden ab und mach mir ein paar kleine Stöckchen."


    Dem Alten kam das alles etwas ulkig vor, aber er sagte nichts und tat, was das Christkind ihm sagte. Als er die Bindfäden und die Stöckchen fertig hatte, nahm das Christkind einen Apfel, steckte ein Stöckchen hinein, band den Faden dran und hängte ihn an einen Ast. "So", sagte es dann, "nun müssen auch all die anderen an die Tanne gebracht werden und dabei kannst du helfen, aber vorsichtig, dass kein Schnee abfällt!" Der Weihnachtsmann half, obgleich er nicht wusste, warum. Aber es machte ihm schließlich Spaß und als die kleine Tanne ganz voll von rotbäckigen Äpfeln hing, da trat er fünf Schritte zurück, lachte und sagte: "Schau, wie schön das aussieht! Aber was hat das alles für einen Zweck?" "Muss denn alles gleich einen Zweck haben?" , lachte das Christkind. "Pass auf, das wird noch schöner. Nun gib mal ein paar Nüsse her!" Der Alte krabbelte aus seiner Kiepe Walnüsse heraus und gab sie dem Christkind. Das steckte in jedes ein Hölzchen, machte einen Faden dran, rieb immer eine Nuss an der goldenen Oberseite seiner Flügel, dann war die Nuss golden, und die nächste an der silbernen Unterseite seiner Flügel, dann hatte es eine silberne Nuss und hängte sie zwischen die Äpfel. "Was sagst du nun, Alterchen?" , fragte es dann. "Ist das nicht schön?" "Ja", sagt der, "aber ich weiß immer noch nicht, was das soll." "Komm schon!", lachte das Christkind. "Hast du Lichter?" – "Lichter nicht", meinte der Weihnachtsmann, "aber einen Wachsstock!" – "Das ist fein", sagte das Christkind, nahm den Wachsstock, zerschnitt ihn und drehte erst ein Stück um den Mitteltrieb des Bäumchens und die anderen Stücke um die Zweigenden, bog sie hübsch gerade und meinte dann: "Feuerzeug hast du noch?" "Gewiss", sagte der Alte, holte Steine und Schwammdose heraus, schlug Feuer auf dem Stein, ließ den Zunder in der Schwammdose zum Glimmen kommen und steckte daran ein paar Schwefelspäne an. Die gab er dem Christkind. Das steckte damit erst das oberste Licht an und dann, um das Bäumchen gehend, brachte es so ein Licht nach dem anderen zum Brennen. Da stand nun das Bäumchen im Schnee. Das Christkind lachte und klatschte in die Hände, der alte Weihnachtsmann sah gar nicht mehr so brummig aus. Als die Lichter fast heruntergebrannt waren, wehte das Christkind mit seinen Flügeln – und da gingen die Lichter aus. Es sagte dem Weihnachtsmann, er solle das Bäumchen vorsichtig absägen. Das tat er und dann gingen beide weiter und nahmen das bunte Bäumchen mit.


    Als sie in den Ort kamen, schliefen hier schon alle. Beim ersten Haus machten die beiden Halt. Das Christkind machte leise die Tür auf und trat ein. Der Weihnachtsmann ging hinterher. In der Stube stand eine große Vase – die stellten sie auf den Tisch und steckten den Baum hinein. Der Weihnachtsmann legte dann noch einige Geschenke unter den Baum und dann verließen beide das Haus so leise, wie sie es betreten hatten. Als der Mann, dem das Haus gehörte, am anderen Morgen erwachte und den bunten Baum sah, da staunte er und wusste nicht, was er dazu sagen sollte. Als er aber an einem Türpfosten, den des Christkinds Flügel gestreift hatte, Gold und Silberflimmer hängen sah, da wusste er Bescheid. Er steckte die Lichter an dem Bäumchen an und weckte seine Familie. Das war eine Freude in dem kleinen Haus wie an keinem Weihnachtstag zuvor. Keines von den Kindern sah nach den Spielsachen, sie sahen alle nur auf den Lichterbaum.Sie fassten sich an den Händen, tanzten um den Baum, den sie fortan Christbaum nannten und sangen die schönsten Weihnachtslieder.


    Am nächsten Tag kamen die Freunde und Verwandten dieser Familie, sahen sich den Christbaum an, freuten sich darüber und gingen gleich in den Wald, um sich auch einen Tannenbaum zu holen. Die anderen Leute, die das sahen, machten es nach, jeder holte sich ein Bäumchen und schmückte es. Als es dann Abend wurde, stand im ganzen Dorf in jedem Haus ein Christbaum und überall hörte man Weihnachtslieder und das fröhliche Lachen der Kinder.



    Ein Weihnachtsgast von Selma Lagerlöf


    Einer von denjenigen, welche als Kavaliere auf Ekeby gelebt hatten, war der kleine Ruster, der Noten transponieren und Flöte spielen konnte. Er war aus niederem Stande und arm, ohne Heimat und ohne Angehörige. Es kamen schwere Zeiten für ihn, als die Kavalierschar sich zerstreute. Er hatte nun nicht länger Pferd und Wagen, weder Pelz noch Eßkorb. Er mußte zu Fuß von Hof zu Hof gehen und trug seine Habe in einem blaugewürfelten Baumwollenschnupftuche eingeknotet. Den Rock knüpfte er bis unter das Kinn zu, damit keiner sehen konnte, wie es mit Hemd und Weste bestellt war, und in seinen weiten Taschen verwahrte er seine kostbarsten Güter: die auseinandergeschrobene Flöte, die flache Taschenflasche und die Notenfeder.


    Sein Beruf war das Notenabschreiben, und wenn alles noch so wie in alten Zeiten gewesen wäre, würde es ihm nicht an Arbeit gefehlt haben. Doch mit jedem Jahre, das dahinging, wurde droben in Värmland weniger Musik getrieben. Die Gitarre mit ihrem morschen Seidenbande und das gewundene Waldhorn mit verblichenen Quasten und Schnüren wurden in die Rumpelkammer auf den Boden gebracht, und der Staub legte sich zolldick auf die langen, eisenbeschlagenen Geigentasten. Doch je weniger der kleine Ruster mit der Flöte zu tun hatte, desto mehr mußte er sich mit der Taschenflasche beschäftigen, und schließlich wurde er der reine Säufer. Es war sehr schade um den kleinen Ruster. Einstweilen wurde er auf den Gütern noch als ein alter Freund aufgenommen, doch es herrschte Trauer, wenn er kam, und Freude, wenn er ging. Er roch nach Schnaps und Branntwein, und sowie er ein paar Appetitschnäpse oder ein Glas Grog getrunken hatte, bekam er einen Spitz und erzählte widerwärtige Geschichten. Er war die Plage der gastfreien Gutshöfe.


    Einmal um Weihnachten ging er nach Löfdala, wo Liljekrona, der große Geigenspieler, wohnte. Liljekrona war auch einer der Ekebykavaliere gewesen, doch nach dem Tode der Majorin war er auf sein schönes Gut Löfdala gezogen und dort geblieben. Jetzt kam Ruster in den Tagen vor Heiligabend, mitten in der Räumerei, zu ihm und bat um Arbeit. Liljekrona beschäftigte ihn mit dem Abschreiben einiger Notenhefte.


    "Du hättest ihn lieber gleich wieder gehen lassen sollen," sagte Liljekronas Gattin, "jetzt wird er die Arbeit wohl so langsam ausführen, daß wir ihn Heiligabend hier behalten müssen."


    "Irgendwo muß er ihn ja verleben," antwortete Liljekrona. Und er setzte Ruster Grog und Branntwein vor, leistete ihm beim Trinken Gesellschaft und lebte die ganze Elebyzeit wieder mit ihm durch. Doch er war verstimmt, und der Gast war ihm, wie allen anderen zuwider, wenn er es sich auch nicht merken lassen wollte, weil ihm alte Freundschaft und Gastfreiheit heilig waren.


    In Liljekronas Heim aber rüstete man sich seit drei Wochen zum Empfang des Christkindes. Man hatte in Ungemütlichkeit und Hetzerei mit Arbeit gelebt, sich die Augen bei Talglichtern und Kienspänen rot gewacht, im Vorratshause beim Fleischeinsalzen und im Brauhause beim Bierbrauen gefroren. Doch sowohl die Hausfrau wie die Dienerschaft hatten alles dieses ohne Murren hingenommen. Wenn alle Arbeit fertig war und der heilige Abend kam, würde sich ein süßer Zauber auf sie herabsenken. Das Weihnachtsfest würde die Wirkung haben, daß Scherz und Neckerei, Reime und lustige Reden ihnen ganz ohne Anstrengung auf die Zunge kämen. Jeder Fuß würde Lust verspüren, sich im Tanze zu drehen, und aus den dunklen Winkeln des Gedächtnisses würden die Worte und Melodien der Reigen hervorschlüpfen, obwohl man jetzt gar nicht glauben konnte, daß sie noch dort vorhanden seien. Und dann würden sie alle gut, ach so gut sein.


    Doch wie nun Ruster kam, hatten sämtliche Hausgenossen in Löfdala das Gefühl, daß ihnen das Weihnachtsfest gestört werden würde. Die Hausfrau, die älteren Kinder und die langjährigen Diener waren alle gleicher Meinung. Ruster erregte in ihnen erstickende Angst. Sie fürchteten überdies, daß, wenn er und Liljekrona die alten Erinnerungen wieder zu durchleben anfingen, das Künstlerblut in dem großen Geiger aufwallen und sein Heim ihn verlieren würde. Früher hatte er es ja nie lange daheim ausgehalten.


    Niemand kann beschreiben, wie der Hausherr, seit sie ihn ein paar Jahre ganz hatten behalten dürfen, jetzt auf dem Gute geliebt wurde. Und was gab er ihnen auch! Wieviel war er den Seinen, vor allem im Weihnachtsfeste! Er hat seinen Platz nicht auf einem Sofa, oder in einem Schaukelstuhl, sondern auf einer hohen, schmalen, glattgescheuerten Holzbank in der Kaminecke. Wenn er dort saß, ritt er auf Abenteuer aus. Er fuhr rund um die Erde, stieg zu den Sternen empor und flog noch höher. Er spielte und erzählte abwechselnd, und alle Hausgenossen versammelten sich um ihn und hörten zu. Das ganze Leben wurde stolz und schön, wenn der Reichtum dieser einen Seele es bestrahlte.


    Daher liebten sie ihn, wie sie das Weihnachtsfest, den Frohsinn und die Frühlingssonne liebten. Und als der kleine Ruster kam, war ihr Weihnachtsfrieden gestört. Wenn er den Hausherrn fortlockte, hatten sie vergeblich gearbeitet. Es war ungerecht, daß der Säufer in einem frommen Hause am Weihnachtstische sitzen und alle Weihnachtsfreude verderben durfte.


    Am Vormittage des Heiligen Abends war der kleine Ruster mit dem Notenschreiben fertig und sagte nun einige Worte vom Fortgehen, obwohl er natürlich die Absicht hatte, zu bleiben. Liljekrona war von der allgemeinen Verstimmung beeinflußt worden und sagte daher recht lau und gleichgültig, es sei wohl das beste, daß Ruster das Weihnachtsfest über bleibe, da er ja einmal hier sei.


    Der kleine Ruster war ein stolzer Hitzkopf. Er zwirbelte seinen Schnurrbart und warf das schwarze Künstlerhaar, das wie eine dunkle Wolke über seiner Stirn lag, zurück. Was Liljekrona damit sagen wollte? Solle er nur bleiben, weil er sonst nirgends hinkönne? Oh, bitte sehr, auf den großen Hammerwerken im Kirchspiele Bro werde er sehnsüchtig erwartet! Das Fremdenzimmer sei in Ordnung, der Bewillkommnungsbecher gefüllt. Er habe es sehr eilig. Er wisse nur nicht, zu wem er zuerst fahren solle.


    "Du liebe Zeit," antwortete Liljekrona, "du kannst gern fahren."


    Nach dem Mittagessen bat der kleine Ruster um Pferd und Schlitten, Pelz und Fußsack. Ein Knecht aus Löfdala sollte ihn nach irgendeinem Orte im Broer Kirchspiele fahren und das Pferd schnell antreiben, da es nach Schneegestöber aussah.


    Niemand glaubte, daß er erwartet werde oder daß es in der Gegend auch nur ein einziges Haus gebe, in welchem er willkommen war. Doch sie wollten ihn so gern los sein, daß sie sich dies verhehlten und ihn fahren ließen. "Er hat es selbst gewollt," sagten sie. Und dann dachten sie, jetzt wollten sie fröhlich sein.


    Doch als sie sich gegen fünf Uhr im Saale versammelten, um Tee zu trinken und um den Christbaum zu tanzen, war Liljekrona still und verstimmt. Er setzte sich nicht auf die Abenteuerbank, er rührte weder Tee noch Punsch an, er konnte sich keiner Polska erinnern und die Geige war nicht in Ordnung. Die, welche in der Stimmung seien, zu tanzen und zu spielen, möchten es ohne ihn tun. Da wurde die Hausfrau unruhig, da wurden die Kinder verdrießlich, alles im ganzen Hause ging verkehrt. Es wurde ein sehr trüber Heiligabend.


    Die Grütze käste [Fußnote] die Lichter zischten, die Holzscheiter rauchten, der Wind brachte Schneetreiben und wehte recht bittere Kälte in die Zimmer. Der Knecht, der den kleinen Ruster gefahren hatte, kam nicht wieder. Die Haushälterin weinte, die Mägde zankten sich.


    Schließlich fiel es Liljekrona ein, daß keine Garbe für die Sperlinge hingelegt worden sei, und er beklagte sich laut, daß alle Weiber seines Haushaltes alte Bräuche fallen ließen und neumodisch und herzlos seien. Sie aber begriffen recht gut, daß das, was ihn quälte, Gewissensbisse darüber waren, daß er den kleinen Ruster am Heiligabende selbst hatte abreisen lassen.


    Plötzlich ging er nach seinem Zimmer, schloß die Tür hinter sich und begann zu spielen, wie er, seit er zu wandern aufgehört, nicht gespielt hatte. Haß und Hohn, Sehnsucht und Sturm lag darin. "Ihr dachtet, mich zu binden, aber ihr müßt andere Fesseln dazu schmieden. Ihr dachtet, mich kleinlich zu machen, wie ihr es selbst seid. Doch ich ziehe hinaus in das Große, in das Freie, Alltagsmenschen, Haussklaven, fangt mich, wenn es in eurer Macht steht!"


    Als die Hausfrau diese Töne hörte, sagte sie: "Morgen ist er fort, wenn Gott nicht heute nacht ein Wunder tut. Jetzt hat unsre Ungastlichkeit gerade das bewirkt, was wir vermeiden zu können glaubten."


    Inzwischen fuhr der kleine Ruster im Schneetreiben umher. Er fuhr von einem Gute zum andern und fragte, ob man dort Beschäftigung für ihn habe, wurde aber nirgends aufgenommen. Er wurde nicht einmal zum Aussteigen aufgefordert. Einige hatten das Haus voll Besuch, andere wollten am ersten Festtage selbst verreisen. "Fahre zum nächsten Nachbar," sagten sie alle.


    Er konnte gern kommen, wenn er ihnen nur die Gemütlichkeit einiger Alltage störte, aber nicht am Heiligabend. Das Jahr hatte nur einen Heiligen Abend, und auf diesen hatten die Kinder sich schon den ganzen Herbst gefreut. Diesen Menschen konnte man doch nicht mit Kindern an einen Weihnachtstisch setzen. Früher hatten sie ihn gern aufgenommen, aber jetzt, seit er so trank, nicht mehr. Was sollte man auch mit dem Gesellen anfangen? Die Knechtstube war nicht gut genug für ihn und der Salon zu fein.


    So mußte der kleine Ruster in dem peitschenden Schneetreiben von Hof zu Hof fahren. Der nasse Schnurrbart hing ihm schlaff über die Lippen herab, seine Augen waren gerötet und trübe, doch der Branntwein wurde aus seinem Gehirn verweht. Er fing an zu grübeln und zu staunen. War es möglich, daß keiner ihn aufnehmen wollte? Da sah er plötzlich sich selbst. Er sah, wie erbärmlich und heruntergekommen er war, und er begriff, daß er den Menschen verhaßt sein müßte. "Mit mir ist es vorbei," dachte er. "Mit dem Notenschreiben, mit der Flöte ist es vorbei. Niemand auf Erden bedarf meiner, niemand hat Mitleid mit mir."


    Das Schneegestöber kreiste und spielte, riß die Wehen auf und schüttete sie wieder zu, nahm eine Schneesäule in den Arm und tanzte mit ihr über das Feld, wirbelte eine Flocke bis zu den Wolken empor und trieb eine andere tief in eine Grube hinein. "So geht es, so geht es," sagte der kleine Ruster, "solange man tanzt und umherwirbelt, ist es Spiel, wenn man aber in die Schneewehe hinunter soll, um dort eingebettet und vergessen zu werden, dann wird es Betrübnis und Kummer." Doch hinunter müssen wir alle, und jetzt war die Reihe an ihm. Ja, jetzt war er am Ende. –


    Er fragte nicht mehr, wohin der Knecht ihn bringe. Es war ihm, als fahre er in das Land des Todes hinein.


    Der kleine Ruster verbrannte während dieser Fahrt keine Götter. Er verwünschte weder das Flötenspiel noch das Kavalierleben, er dachte nicht, daß es besser für ihn gewesen wäre, wenn er den Acker gepflügt oder Schuhe besohlt hätte. Doch darüber klagte er, daß er jetzt ein ausgespieltes Instrument sei, von dem der Frohsinn keinen Gebrauch mehr machen könne. Er klagte niemand an, denn er wußte, daß ein zersprungenes Waldhorn und eine Gitarre, die sich nicht mehr stimmen läßt, fortgeworfen werden müssen. Er wurde auf einmal ein sehr demütiger Mensch. Er begriff, daß es jetzt, am Heiligabend, mit ihm zu Ende gehen werde. Der Hunger oder die Kälte würde ihn töten, denn er verstand nichts, taugte zu nichts und hatte keine Freunde. Da hält der Schlitten, und auf einmal ist es hell um ihn her, er hört freundliche Stimmen, wird in eine warme Stube geführt, und jemand gibt ihm heißen Tee zu trinken. Der Pelz wird ihm ausgezogen, und mehrere Stimmen heißen ihn willkommen, während warme Hände Leben in seine erstarrten Finger reiben. Er wurde von allem diesen so verwirrt, daß es wohl eine Viertelstunde dauerte, ehe er sich wieder besinnen konnte. Er konnte gar nicht begreifen, daß er sich wieder in Löfdala befand. Es war ihm gar nicht klar geworden, daß der Knecht, des Umherfahrens im Schneegestöber überdrüssig, nach Hause zurückgekehrt war.


    Ebensowenig begriff er, weshalb er jetzt in Liljekronas Hause so freundlich empfangen wurde. Er konnte nicht wissen, daß Liljekronas Gattin verstand, welch schwere Fahrt er an diesem Heiligabend gemacht, um an jeder Tür, an die er geklopft, abgewiesen zu werden. Sie empfand so großes Mitleid mit ihm, daß sie ihre eigene Sorge darüber vergaß. Liljekrona setzte drinnen in seinem Zimmer das wilde Spielen fort. Er wußte nicht, daß Ruster wieder da war. Dieser saß unterdessen mit der Hausfrau und den Kindern im Saale. Das Gesinde, das dort am Heiligabend ebenfalls zu sein pflegte, hatte sich vor der trüben Stimmung, die drinnen bei der Herrschaft herrschte, in die Küche geflüchtet.


    Die Hausfrau stellte Rüster sofort an. "Ruster," sagte sie, "Er hört wohl, daß Liljekrona den ganzen Abend nichts weiter tut als spielen. Ich muß das Decken über- überwachen und nach dem Essen sehen. Die Kinder sind ganz allein. Er muß sich um die beiden Kleinsten kümmern."


    Kinder waren die Art Menschen, mit der Ruster am wenigsten verkehrt hatte. Er hatte sie weder im Kavalierflügel noch im Soldatenzelte, weder im Kruge noch auf der Landstraße angetroffen. Er war beinahe blöde vor ihnen und wußte nicht, was er sagen sollte, das fein genug für sie wäre. Er zog die Flöte hervor und lehrte sie auf Löchern und Klappen fingern. Es waren ein vierjähriger und ein sechsjähriger Knabe. Sie erhielten eine Lektion auf der Flöte und schienen sich sehr dafür zu interessieren. "Dies ist A," sagte Ruster, "und dies ist C." Und dann blies er die Töne. Da wollten die Kleinen wissen, was das für ein A und ein C sei, das gespielt werden sollte.


    Ruster holte nun Notenpapier aus der Tasche und zeichnete ihnen beide Noten auf. "Nein," sagten sie, "das ist nicht richtig." Und sie liefen nach einem Abc-Buche.


    Da begann der kleine Ruster ihnen das Alphabet zu verhören. Sie konnten und konnten es nicht. Mit dem Wissen war es kümmerlich bestellt. Ruster geriet in Eifer, nahm die Knaben auf je ein Knie und fing an sie zu unterrichten. Liljekronas Gattin, die aus- und einging, hörte ganz erstaunt zu. Es klang wie Spiel, und die Kinder lachten immerfort, aber sie lernten. Ruster setzte den Unterricht eine Weile fort, doch er war nicht recht bei der Sache. Ihn beschäftigten die alten Gedanken vom Schneetreiben draußen. Hier war es schön und gemütlich, aber mit ihm war es ja doch vorbei. Er war verbraucht. Er würde fortgeworfen werden. Und plötzlich verbarg er das Gesicht in den Händen und begann zu weinen.


    Liljekronas Gattin trat schnell zu ihm.


    "Ruster," sagte sie, "ich kann verstehen, daß Er glaubt, mit Ihm sei es aus. Mit der Musik geht es nicht mehr, und Er ruiniert sich mit dem Branntwein. Doch das Ende ist noch nicht da, Ruster."


    "Doch," schluchzte der kleine Flötenspieler.


    "Sieh Er, so bei den Kleinen sitzen wie heute abend, das wäre etwas für Ihn. Wenn Er Kinder im Lesen und Schreiben unterrichtete, würde Er wieder überall willkommen sein. Das sind keine schlechteren Instrumente zum Spielen, Ruster, als Flöte und Geige. Sieh Er sie an, Ruster!" Sie stellte die beiden Kleinen vor ihn hin, und er sah auf, blinzelnd, als habe er in die Sonne geblickt. Seinen kleinen, trüben Augen schien es schwer zu werden, den großen, hellen, unschuldigen der Kinder zu begegnen.


    "Sieh Er sie an, Ruster," ermutigte ihn Liljekronas Gattin.


    "Ich wage es nicht," antwortete Ruster, dem es ein Fegefeuer war, durch die schönen Kinderaugen in die Schönheit der unbefleckten Seelen hineinzuschauen.


    Da lachte Liljekronas Gattin laut und fröhlich. "So soll Er sich daran gewöhnen, Ruster. Er kann dieses Jahr als Schulmeister in meinem Hause bleiben."


    Liljekrona hörte seine Gattin lachen und kam aus seinem Zimmer. "Was gibt's?" fragte er. "Was gibt's?"


    "Nichts weiter", erwiderte sie, "als daß Ruster wiedergekommen ist und ich ihn als Schulmeister für unsere kleinen Buben angenommen habe."


    Liljekrona war ganz verdutzt. "Getraust du dich," sagte er, wagst du es? Hat er versprochen, das – zu lassen – ?"


    "Nein," antwortete die Gattin, "Ruster hat nichts versprochen. Doch er wird sich vor vielem hüten müssen, wenn er täglich den Kleinen in die Augen sehen soll. Wenn es nicht Weihnachten gewesen wäre, hätte ich es wohl nicht gewagt, doch wenn unser Herrgott es gewagt hat, ein kleines Kind, das noch dazu sein eigener Sohn war, unter uns Sünder zu versetzen, so kann auch ich mich wohl getrauen, meine Kleinen versuchen zu lassen, einen Menschen zu retten."


    Liljekrona brachte kein Wort hervor, aber es zuckte in jeder Runzel seines Gesichtes, wie immer, wenn er etwas Großartiges hörte.


    Dann küßte er seine Frau so unterwürfig wie ein um Verzeihung bittendes Kind die Hand und rief laut: "Alle Kinder sollen herkommen und Mutter die Hand küssen!"


    Das taten sie, und nachher wurde ein fröhliches Weihnachtsfest in Liljekronas Heim gefeiert.






    Ich hatte mir das im Vorfeld auch sehr kritisch angeschaut, habe aber zunächst davon Abstand genommen den Thread zu löschen.


    Die Band wurde 2010 im Verfassungsschutzbericht des Landesamts für Verfassungsschutz Bremen unter der Rubrik „sonstige gewaltbereite Rechtsextremisten“ aufgeführt. Sie wird der rechtsextremistischen Hooligan-Szene zugeordnet und soll Kontakte zur Neonazi-Szene haben. Die Band werde jedoch als „nicht verfassungswidrig“ eingestuft, da nach Angaben des Landesamt für Verfassungsschutz „nicht der Rechtsextremismus, sondern die Gewaltbereitschaft“ im Vordergrund stehe. Sie sei daher kein „Beobachtungsobjekt“.


    Einzelne Texte sind schon sehr grenzwertig, aber wie man sieht gibt es auch immer zwei Seiten der Medaille und keiner hat uneingeschränkt Recht. Natürlich wollen wir hier keinen Extremismus, egal ob nach Rechts oder Links.


    Da ich aber davon ausgehe, dass der Threadersteller seine Downloads inzwischen gemacht hat und der Wunsch damit erfüllt ist werde ich die Links jetzt löschen und den Thread schließen.


    Der selbstsüchtige Riese von Oscar Wilde


    Jeden Nachmittag, wenn sie aus der Schule kamen, pflegten die Kinder in des Riesen Garten zu gehen und dort zu spielen.


    Es war ein großer, lieblicher Garten mit weichem, grünem Gras. Hier und da standen über dem Gras schöne Blumen wie Sterne, und es waren dort zwölf Pfirsichbäume, die im Frühling zarte, rosige und perlfarbene Blüten hatten und im Herbst reiche Früchte trugen. Die Vögel saßen auf den Zweigen und sangen so süß, daß die Kinder ihre Spiele unterbrachen, um ihnen zu lauschen. "Wie glücklich sind wir hier!" riefen sie einander zu.


    Eines Tages kam der Riese zurück. Er hatte seinen Freund Oger in Cornwall besucht und war sieben Jahre bei ihm gewesen. Als die sieben Jahre vorbei waren, hatte er alles gesagt, was er wußte, denn seine Unterhaltungsgabe war begrenzt, und er beschloß, in seine eigene Burg zurückzukehren. Als er ankam, sah er die Kinder in dem Garten spielen.


    "Was macht ihr hier?" schrie er mit sehr barscher Stimme, und die Kinder rannten davon.


    "Mein eigener Garten ist mein eigener Garten," sagte der Riese; "das kann jeder verstehen, und ich erlaube niemand, darin zu spielen als mir selbst." Deshalb baute er ringsherum eine hohe Mauer und befestigte eine Tafel daran:


    Eintritt bei Strafe verboten


    Er war ein sehr selbstsüchtiger Riese.


    Die armen Kinder hatten nun keinen Platz, wo sie spielen konnten. Sie versuchten auf der Straße zu spielen, aber die Straße war sehr staubig und voll von harten Steinen, und das liebten sie nicht. Sie pflegten rund um die hohe Mauer zu gehen, wenn ihr Unterricht vorbei war, und von dem schönen Garten dahinter zu reden. "Wie glücklich waren wir dort," sagten sie zueinander.


    Dann kam der Frühling, und überall im Land waren kleine Blumen und kleine Vögel. Nur im Garten des selbstsüchtigen Riesen war es noch Winter. Die Vögel wollten darin nicht singen, weil dort keine Kinder waren, und die Bäume vergaßen zu blühen. Einmal steckte eine schöne Blume ihren Kopf aus dem Gras hervor, aber als sie die Tafel sah, taten ihr die Kinder so leid, daß sie wieder in den Boden hinabglitt und sich schlafen legte. Die einzigen Wesen, die daran ihre Freude hatten, waren Schnee und Frost. "Der Frühling hat diesen Garten vergessen," sagten sie, "deshalb wollen wir hier das ganze Jahr durch wohnen." Der Schnee bedeckte das Gras mit seinem dicken, weißen Mantel, und der Frost bemalte alle Bäume mit Silber. Dann luden sie den Nordwind zum Besuch ein, und er kam. Er war in Pelze eingehüllt und brüllte den ganzen Tag im Garten herum und blies die Dachkamine herab. "Dies ist ein entzückender Platz," sagte er; "wir müssen den Hagel bitten, herzukommen." So kam der Hagel. Er rasselte jeden Tag drei Stunden lang auf das Dach der Burg, bis er fast alle Dachziegel zerbrochen hatte, und dann rannte er immer im Kreis durch den Garten, so schnell er nur konnte. Er war in Grau gekleidet, und sein Atem war wie Eis.


    "Ich verstehe nicht, warum der Frühling solange ausbleibt," sagte der selbstsüchtige Riese, als er am Fenster saß und auf seinen kalten, weißen Garten hinaussah; "hoffentlich gibt es einen Witterungsumschlag."


    Aber der Frühling kam überhaupt nicht, ebensowenig wie der Sommer. Der Herbst brachte in jeden Garten goldene Frucht, nur in des Riesen Garten brachte er keine. "Er ist zu selbstsüchtig," sagte er. So war es denn dort immer Winter, und der Nordwind und der Hagel und der Frost und der Schnee tanzten zwischen den Bäumen umher.


    Eines Morgens lag der Riese wach im Bett, da hörte er eine liebliche Musik. Sie klang so süß an seine Ohren, daß er glaubte, des Königs Musiker kämen vorbei. Es war in Wirklichkeit nur ein kleiner Hänfling, der draußen vor seinem Fenster sang, aber er hatte so lange Zeit keine Vögel mehr in seinem Garten singen hören, daß es ihm die schönste Musik von der Welt zu sein dünkte. Dann hörte der Hagel auf, über seinem Kopf zu tanzen, der Nordwind brüllte nicht mehr, und ein entzückender Duft kam durch den offenen Fensterflügel zu ihm. "Ich glaube, der Frühling ist endlich gekommen," sagte der Riese; und er sprang aus dem Bett und schaute hinaus.


    Was sah er?


    Er sah das wundervollste Bild. Durch ein kleines Loch in der Mauer waren die Kinder hereingekrochen und saßen in den Zweigen der Bäume. Auf jedem Baum, den er sehen konnte, war ein kleines Kind. Und die Bäume waren so froh, die Kinder wiederzuhaben, daß sie sich selbst mit Blüten bedeckt hatten und ihre Arme zärtlich um die Köpfe der Kinder legten. Die Vögel flogen umher und zwitscherten vor Entzücken, und die Blumen blickten aus dem grünen Gras hervor und lachten. Es war ein lieblicher Anblick, nur in einer Ecke war noch Winter. Es war die äußerste Ecke des Gartens, und in ihr stand ein kleiner Knabe. Er war so winzig, daß er nicht bis zu den Zweigen des Baumes hinaufreichen konnte, und er wanderte immer um ihn herum und weinte bitterlich. Der arme Baum war noch ganz mit Eis und Schnee bedeckt, und der Nordwind blies und brüllte über ihn weg. "Klett're hinauf! kleiner Knabe," sagte der Baum und bog seine Zweige hinab, soweit er konnte; aber der Knabe war zu winzig.


    Und des Riesen Herz schmolz, als er hinausblickte. "Wie selbstsüchtig ich gewesen bin!" sagte er; "jetzt weiß ich, warum der Frühling nicht hierherkommen wollte. Ich werde den armen, kleinen Knaben oben auf den Baum setzen, und dann will ich die Mauer umstoßen, und mein Garten soll für alle Zeit der Spielplatz der Kinder sein." Es war ihm wirklich sehr leid, was er getan hatte.


    Er stieg hinab, öffnete ganz sanft die Vordertüre und ging hinaus in den Garten. Aber als ihn die Kinder sahen, waren sie so erschrocken, daß sie alle davonliefen, und es im Garten wieder Winter wurde. Nur der kleine Junge lief nicht fort, denn seine Augen waren so voll von Tränen, daß er den Riesen gar nicht kommen sah. Und der Riese stahl sich hinter ihn, nahm ihn behutsam in die Hand und setzte ihn auf den Baum. Und der Baum brach sofort in Blüten aus, und die Vögel kamen und sangen darauf, und der kleine Junge streckte seine beiden Arme aus, schlang sie rund um des Riesen Nacken und küßte ihn. Und als die anderen Kinder sahen, daß der Riese nicht mehr böse war, kamen sie zurückgerannt, und mit ihnen kam der Frühling. "Es ist jetzt euer Garten, kleine Kinder," sagte der Riese, und er nahm eine große Axt und schlug die Mauer nieder. Und als die Leute um zwölf Uhr zum Markt gingen, da fanden sie den Riesen spielend mit den Kindern in dem schönsten Garten, den sie je gesehen hatten. Den ganzen Tag lang spielten sie, und des Abends kamen sie zum Riesen, um sich von ihm zu verabschieden.


    "Aber wo ist euer kleiner Gefährte?" fragte er, "der Knabe, den ich auf den Baum setzte." Der Riese liebte ihn am meisten, weil er ihn geküßt hatte.


    "Wir wissen es nicht," antworteten die Kinder; "er ist fortgegangen."


    "Ihr müßt ihm bestimmt sagen, daß er morgen wieder hierherkommt," sagte der Riese. Aber die Kinder erklärten, sie wüßten nicht, wo er wohne, und hätten ihn nie vorher gesehen; und der Riese fühlte sich sehr betrübt.


    Jeden Nachmittag, wenn die Schule vorbei war, kamen die Kinder und spielten mit dem Riesen. Aber der kleine Knabe, den der Riese liebte, wurde nie wieder gesehen. Der Riese war sehr gütig zu allen Kindern, aber er sehnte sich nach seinem ersten kleinen Freund und sprach oft von ihm. "Wie gerne möchte ich ihn sehen!" pflegte er zu sagen.


    Jahre vergingen, und der Riese wurde sehr alt und schwach. Er konnte nicht mehr draußen spielen, und so saß er in einem hohen Lehnstuhl und beobachtete die Kinder bei ihren Spielen und bewunderte seinen Garten. "Ich habe viele schöne Blumen," sagte er, "aber die Kinder sind die schönsten Blumen von allen."


    Eines Wintermorgens blickte er aus seinem Fenster hinaus, als er sich anzog. Er haßte jetzt den Winter nicht mehr, denn er wußte, daß er nur ein schlafender Frühling war, und daß die Blumen sich dann ausruhten.


    Plötzlich rieb er sich die Augen vor Staunen und schaute atemlos hinaus. Es war wirklich ein wunderbarer Anblick. Im äußersten Winkel des Gartens war ein Baum ganz bedeckt mit lieblichen, weißen Blumen. Seine Zweige waren ganz golden, und silberne Früchte hingen von ihnen herab, und darunter stand der kleine Knabe, den er geliebt hatte.


    In großer Freude rannte der Riese die Treppe hinab und hinaus in den Garten. Er eilte über das Gras und näherte sich dem Kinde. Als er dicht bei ihm war, wurde sein Gesicht rot vor Zorn, und er fragte: "Wer hat es gewagt, dich zu verwunden?" Denn aus den Handflächen des Kindes waren zwei Nägelmale, und zwei Nägelmale waren auf den kleinen Füßen.


    "Wer hat es gewagt, dich zu verwunden?" schrie der Riese; "sage es mir, damit ich mein großes Schwert nehme und ihn erschlage."


    "Nein!" antwortete das Kind; "denn dies sind Wunden der Liebe."


    "Wer bist du?" fragte der Riese, und eine seltsame Ehrfurcht befiel ihn, und er kniete vor dem kleinen Kinde.


    Und das Kind lächelte den Riesen an und sagte zu ihm: "Du ließest mich einmal in deinem Garten spielen; heute sollst du mit mir in meinen Garten kommen, der das Paradies ist." Und als die Kinder an diesem Nachmittag hineinliefen, fanden sie den Riesen tot unter dem Baum liegen, ganz bedeckt mit weißen Blüten.



    Rosalind dafür, dass du nichts so richtig kannst, machst du aber richtig tolle Sachen! :) Natürlich kann man immer über Farben oder einzelne Details diskutieren, aber das wichtigste ist doch, dass es dem Empfänger gefällt, wenn man es denn verschenken möchte.


    Über deinen Spruch "So benutze ich Nagellack." musste ich wirklich lachen. In meinem Kopf formte sich nämlich gleicht noch ein "Ätsch" dahinter. Ich benutze Nagellack nämlich ganz genau so! Und zu Anfang, als ich mir so nach und nach meine Farben zusammengekauft habe, kam immer der Spruch von Freunden (wenn sie meine Sammlung gesehen haben oder beim einkaufen dabei waren) "Du benutzt doch überhaupt keinen Nagellack, was willst du denn mit den ganzen Flaschen?" Und ich muss gestehen meine Sammlung ist stattlich. Ich plündere bei sämtlichen Freundinnen die "ungeliebten" Farben. Es gibt ja oft diese "muss ich haben" Käufe und ein mal aufgetragen gefallen einem die Farben plötzlich nicht mehr. Davon profitiere ich immer gerne :P Und damit hat sich inzwischen eine Sammlung von locker 200 Fläschchen hier aufgebaut. Ups... :verlegenw:


    Ich bin allerdings auch quer Beet unterwegs. Ich kann nicht nähen. Eine grade Naht geht vielleicht noch, aber mit so einem Patchworkkissen wäre ich hoffnungslos überfordert. Aber ich stricke gerne. Mein nächstes Projekt soll das hier werden:




    Ich habe diese Bettwäsche. und ich will mir passend dazu eine Decke stricken in der gleichen Musterung und mit möglichst den gleichen oder zumindest sehr ähnlichen verschiedenen Blautönen. Leider scheitere ich daran, dass ich bisher noch nirgendwo so viele verschiedene Blautöne von der gleichen Firma in reiner Baumwolle gefunden habe. Vielleicht hat ja jemand einen Tipp für mich wo man so was evtl. kriegen kann. Eigentlich sollte das mein Winterprojekt werden, aber es scheitert tatsächlich am Material.


    Ansonsten mache ich Schmuck selber. Auch da arbeite ich viel mit Nagellack. Ich hübsche sehr gerne Dinge auf die schon etwas älter sind oder mache aus Gebrauchsmaterialien praktische Sachen. Und ich male gerne. Aber eher komplizierte vorgefertigte Bilder als frei Hand.


    Ich suche mal was von meinen selbstgemachten Sachen raus und stelle die Bilder hier ein.


    Und Rosalind in einem Forum ist es nicht verboten, sich auch mit anderen Dingen zu beschäftigen als nur saugen saugen saugen. Deswegen haben wir ja diese kleinen Ecken eingerichtet :winkw:


    Die Geschichte von dem kleinen naseweisen Mädchen von Luise Büchner


    Dem Mathildchen ward die Zeit bis zum Weihnachtsabend gar zu lang; es hatte nirgends mehr Ruhe und Rast, nur so lange die Tante erzählte, blieb es ruhig auf seinem Stühlchen sitzen. Wo eine Schublade oder eine Schranktüre aufgemacht wurde, hatte es blitzschnell den kleinen Blondkopf dazwischen und lauschend und horchend stand es hinter allen Stubentüren. Es knisterte und rumorte aber auch gar verführerisch im Hause herum und für die Nase gab es jeden Augenblick ein neues Bedenken. Bald roch es so süß und gewürzreich, dann wieder nach feuchtem Moos und Tannenharz, oder auch nach ausgeblasenen Wachskerzen. Mit einem Wort, das ganze Haus war erfüllt mit dem wunderbaren, unbeschreiblichen Weihnachtsgeruch, dem zu Liebe die Kinder sich gerne eine Stunde früher als gewöhnlich zu Bette schicken lassen und der ihnen den kleinen Kopf schon im Voraus ganz toll und wirblich macht. So ging es auch dem Matildchen und jeden Augenblick musste es sich bald von der Mama, bald von der Tante zurufen lassen: „Den Kopf hinweg, oder das Christkindchen bläst dir die Augen aus!“


    Endlich ward es Abend und sie saßen wieder bei der Tante, da fragte Matildchen: „Liebe Tante, wie ist denn das mit dem Christkindchen, bläst es den Kindern wirklich die Augen aus?“

    „Ja, freilich“, sagte die Tante, „wenn sie neugierig sind und sich nicht warnen lassen, denn sie können ja lieb sein und warten bis es Zeit zum Gucken ist.“

    „Tante“, antwortete Mathildchen kleinlaut, „ich war heute so ein ganz klein wenig neugierig und habe in Mama’s Schrank gesehen und – und – ich will aber jetzt nicht mehr hinsehen.“

    „Das ist brav, und nun will ich Euch eine Geschichte erzählen, von einem kleinen Mädchen, das auch ein wenig naseweis war, aber nicht sehr viel, gerade so wie du, dem ist es sonderbar mit dem Christkindchen gegangen. Das Merkwürdigste an der Geschichte aber ist, dass das kleine Mädchen auch Mathildchen heißt. Nun, soll ich anfangen?“

    „Ach ja, liebe Tante!“


    „Ich habe Euch doch schon früher erzählt, dass der Nikolaus um die Weihnachtszeit des Abends ein großes Feuer auf der Böllsteinerhöhe anzündet. Die Leute, die um den Odenwald herum wohnen, sehen das Feuer, das sich freilich vom Weiten nur wie ein großer Stern ausnimmt. Wenn sich nun die Kinder zu Bett legen, dann laufen sie noch vorher an das Fenster, heben den Vorhang auf, sehen hinauf nach dem Christkindfeuer und träumen dann die ganze Nacht von den schönen Sachen, die es ihnen bringen wird. Wer aber neugierig ist und zu lange hinschaut, der sieht auf einmal gar nichts mehr und wenn endlich die Mama ruft: „Geschwind, in’s Bett hinein!“ können sie es kaum noch finden. Am andern Morgen sehen sie zwar wieder, aber sie müssen doch noch sehr blinzeln und hüten sich wohl am andern Abend wieder in das Christkindfeuer zu gucken.


    Der kleinen Mathilde aber, von der ich euch nun erzählen will, ist es noch sonderbarer ergangen. Sie war sehr geschickt und lieb und folgsam, nur ein klein wenig naseweis, und wenn sie des Abends ins Bett sollte, konnte man sie kaum von dem Fenster wegbringen, weil sie immer wieder das Christkindfeuer sehen wollte. Lag sie dann unter der warmen Decke, so dachte sie immer noch an das Feuer und stellte sich vor, wie schön es da oben auf der Höhe bei dem Christkind sein müsse.


    Eines Abends nun schien ihr das Feuer viel größer und heller als gewöhnlich zu sein; es sah gar nicht mehr wie ein Stern, sonder wie der Mond, wenn er im Herbst ganz groß und feurig über dem Rand der Berge auftaucht. Mathildchen legte sich zu Bett, nachdem sie lange in das Feuer gesehen, aber sie konnte nicht einschlafen und dachte immer wieder daran, wie es jetzt wohl oben auf dem Böllstein aussehen möge. Sie hielt es nicht mehr aus, stand leise auf, zog ihr Strümpfe, Schuhe und Kleider wieder an und schlich sich unbemerkt hinaus vor die Türe, um das Feuer von da noch besser zu sehen. Ach, dachte sie auf einmal, wenn ich auf den kleinen Berg hinter unserm Garten ginge, da müsste es noch schöner sein! Sie fürchtete sich gar nicht, lief auf den kleinen Berg und sah sich recht satt an dem hellen Glanz – dann wollte sie wieder nach Hause und in ihr Bettchen. Aber – aber von dem langen Sehen waren ihr die Augen ganz wie geblendet geworden; statt in den Garten kam sie auf ein Feld, rannte dann über eine Wiese, und auf einmal lief sie, ohne nur recht zu wollen, in den dunklen dichten Wald hinein; sie hatten ihren Weg vollständig verloren und wusste gar nicht mehr, wo sie war. Von Angst getrieben, lief Mathildchen weiter und weiter, bis sie endlich ein kleines Licht durch die Bäume schimmern sah.

    Ach, dachte das kleine Mädchen, wo ein Licht ist, müssen doch auch Menschen sein, die mir wieder den Weg nach Hause zeigen, ich will nur immer darauf zugehen!


    Sie merkte in ihre Eile gar nicht, wie sie immer bergan lief, sondern freute sich nur, dass das Licht größer ward und ihr immer näher kam. Der Weg war steiler, und zuletzt musste es atemlos stehen bleiben, denn es konnte nicht mehr weiter. Nun schaute Mathildchen sich um, da blies ihm ein kalter Wind über die heiße Stirne und rings herum waren keine höheren Berge und keine Bäume mehr, du lieber Himmel – am Ende war gar das Kind bis hinauf auf die Böllsteinerhöhe gerannt. Dem Mathildchen zitterten die Knie vor Angst und Müdigkeit, aber es konnte doch nicht da stehen bleiben und so schlich es dann langsam weiter, von einem Baumstamm zum andern, hinter denen es sich versteckt hielt, bis es auf einmal wirklich am Rande des großen, freien Platzes stand, der den Böllstein bedeckt.


    Aber, Kinder, was hat es da gesehen – das Matildchen vergaß Müdigkeit und Angst und alles, es wusste gar nicht mehr, ob es schon im Himmel oder noch auf Erden war. Es starrte ganz verloren hinein in die Herrlichkeit, die sich da vor seinen Blicken ausbreitete. Denkt Euch Kinder, das war die Nacht, in der das Christkindchen alles, was es das Jahr über zusammengeholt und mit den Engelchen gearbeitet hat, aufstellt und ausbreitet und dann auswählt, was es jedem von den kleinen und großen Leuten bringen will. Die Christbescherung für die ganze Welt stand hier auf einmal bei einander und nun könnt Ihr Euch denken, wie das glitzerte und flimmerte und wie Mathildchen ganz im Ernste glaubte, es sei blind geworden, so stach ihm all der Glanz in die Augen. nun wusste es auch, wovon der Wald so hell und warum das Feuer so groß erschienen war, denn die hohen Tannen und Fichten, welche um den freien Platz herum stehen, waren übersät mit brennenden Wachskerzen, so dass sie fast den Mond und die Sterne überstrahlten.


    In der Mitte aber war das Schönste von Allem, da stand das liebe, goldige Christkindchen selber und überschaute seine Herrlichkeiten. Ein schneeweißes Kleid mit goldnen und silbernen Sternen bestickt, fiel ihm bis herab auf die Füße und seinen feinen Schleier hielt eine hohe Sternenkrone fest, unter der blickten die großen, blauen Augen so selig und gut hinauf in den Himmel und die Wangen glühten in so hellem Rosenlicht, dass man über diesem Anblick alles Übrige vergaß. Mathildchen konnte lange kein Auge von ihm wenden, aber als es nun endlich weiter um sich schaute, puh! da ward ihm wieder angst und bange.


    Auf der Erde ganz dicht zu Christkindchens Füßen saß der Knecht Nikolaus, der war nicht so holdselig anzuschaun. Er war in seinen Pelzrock gehüllt, hatte die Pelzmütze fast bis an die Nase in’s Gesicht gezogen und auf seine Brust herab wallte nicht mehr wie früher ein schwarzer, sondern ein langer, weißer Bart. Neben dem hellen, freundlichen Christkindchen sah er noch dunkler und mürrischer aus als gewöhnlich. Er machte auch gerade jetzt ein besonders verdrießliches Gesicht und hatte neben sich wieder einen ganzen Berg von Ruten liegen.


    „Lass gut sein, Nikolaus“, sagte das Christkind mit seinem hellen, feinen Stimmchen, das noch viel süßer klang, als das silberne Schellchen, „wir haben jetzt Ruten genug.“

    „Nein“, brummte Nikolaus mit einer Stimme, dass Mathildchen meinte, ein dumpfer Donner rolle über die Odenwaldberge hin, „ich muss noch eine vom Kräutchen Eigensinn machen; dort unten wohnt ein kleiner Junge, der heißt Georg und hat sie sehr nötig.“


    Als Mathildchen hinter seinem Baum dies hörte, ging ihm fast der Atem aus, es hatte ja ein recht eigensinniges Brüderchen, das heißt Georg, und es seufzte zitternd: „Ach!“

    Aber, o weh!“ trotz seiner Pelzkappe hat der Nikolaus die feinsten Ohren, er schaute auf und sah hinter dem Baum ein Stück von einem roten Röckchen hervorgucken und ein kleines vor Schreck fast weißes Näschen, das sich ängstlich an die Rinde drückte. Er ward vor Zorn ganz rot im Gesicht und rief mit einer fürchterlichen Stimme: „Was steckt denn da hinten? Hervor Du kleines, naseweises Ding, dass ich Dir die Rute gebe! Kannst Du nicht warten bis zu dem Wehnachtsabend und kommst da herauf, um uns auszuspionieren!“ Da blieb dem armen Mathildchen doch ganz gewiss gar nichts anders übrig, als laut zu schluchzen und zu weinen und das tat es denn auch recht herzhaft.


    „Jetzt heulst Du uns auch noch die Ohren voll“, schrie der Nikolaus immer zorniger. Christkindchen aber hob seine kleine Hand auf, tippte damit dem Nikolaus auf die Schulter und sagte: „So schweige doch stille, Du alter Brummbär! Du hast das arme, kleine Mädchen ja so erschreckt, dass es gar nicht mehr sprechen kann.“


    Dann schwebte es zu Mathildchen hin, das schluchzend den Baum umspannt hielt und sagte freundlich, ach! so freundlich: „Komm her, mein liebes Kind, fürchte dich nicht, sondern sage mir, wie Du so ganz allein da in der Nacht zu mir herauf kommst.“


    Während es so sprach, schüttelte der Nikolaus zornig mit dem Kopf und band noch emsiger als zuvor an seinen Ruten, denn er ärgerte sich offenbar über das Christkind. Das ließ sich nicht irre machen, führte Mathildchen herein in den Kreis, streichelte ihr Haar ihr Haar und als diese endlich nicht mehr schluchzen musste, sondern wieder ordentlich sprechen konnte, sagte es: „Ach, liebes Christkind, sei mir nur nicht böse; ich wollte nicht auf den Böllstein, ich war nur in dem Walde verirrt, wusste gar nicht mehr wo ich war und lief immer dem Lichte nach, bis ich hier oben stand. Ich will auch gar nichts mehr hier ansehen, sondern gleich wieder nach Hause laufen, zeige mir den Weg.“

    „Wie kommst du aber so spät und ganz allein in den Wald?“ fragte das Christkind weiter.

    Da hing Mathildchen beschämt den Kopf auf die Schulter und sagte weinerlich: „Liebes Christkind, verzeihe mir, ich war wirklich ein wenig neugierig, darum lief ich aus meinem warmen Bett hinauf auf den kleinen Berg hinter unserm Garten, aber dann wollte ich wieder nach Hause und habe mich verirrt.“


    „Es ist doch ein naseweises Ding!“ knurrte der Nikolaus, „des Nachts bleibt man in seinem Bett und läuft nicht heraus. Wie gern steckte ich mich in die Federn, wenn ich nicht für das Kindervolk die ganze Nacht arbeiten müsste.“


    Mathildchen schmiegte sich zitternd an Christkindchen, das aber lachte nur wieder und sprach: „Er ist nicht so böse, als er sich stellt; fürchte dich nicht. Es war freilich recht unartig und naseweis von Dir, dass Du aus dem Bett gelaufen bist, aber nachher bist Du ohne Deine Schuld herauf gekommen, das weiß ich und weil du sonst ein braves, folgsames Kind bist, so will ich Dir verzeihen und Dir für die ausgestandene Angst meine schönen Sachen zeigen, und du magst Dir davon auswählen, was Dir gefällt!“


    Damit fasste das Christkindlein Mathildchen bei der Hand, um es im Kreis herumzuführen. Als der Nikolaus sah, dass er nichts ausrichten konnte, wollte er wenigstens sein Späßchen haben. Er griff in seinen großen Sack, nahm eine Hand voll Nüsse und Äpfel heraus und – bums kollerte er sie dem Mathildchen zwischen die Füße, dass es vor Schrecken laut aufschrie und in eiligen Sätzen herüber und hinüber sprang. Dann bückte es sich schnell und sammelte die Nüsse und Äpfel in sein Schürzchen. Christkindchen freute sich über Mathildchens Sprünge und auch der Nikolaus lachte in seinen langen Bart hinein, es lautete aber so sonderbar, dass man wirklich nicht recht wusste, ob er zanke oder vergnügt sei.


    Vergnügt gingen die Beiden weiter, wie soll ich es Euch aber beschreiben, was Mathildchen nun für Herrlichkeiten sah. Alle die himmelhohen Tannen und Fichten, die den freien Platz umstanden, waren von oben bis unten mit den schönsten Kinderspielsachen behängt. Da hingen Puppen in roten, grünen, blauen und weißen Kleidern, mit Federhüten auf dem Kopfe, unter denen blonde oder schwarze Locken herauskamen. Andere Puppen hatten offene, lange Haare fast wie der Struwwelpeter und warteten nur darauf, dass die kleinen, lieben Mädchen, zu denen sie kommen sollten, ihnen die Haare ringelten oder flechten würden. Diese hatten auch gar nichts weiter an als schneeweiße Hemdchen, aber sie standen in einem großen Kasten, in dem lag rings um sie herum ihre ganze Ausstattung. Da waren gestickte Unterröcke und Beinkleider, weiße Schlafhemden und zierliche Nachthäubchen, alle möglichen Kleider von Seide, Wolle und Musselin, dazu schöne Kragen, Mäntel, Schals, Hüte, Handschuhe, Stiefelchen und Sonnenschirme – man brauchte nur zuzugreifen. Es war ein Staat gerade wie für eine große Mama, oder eine erwachsenen Tante.


    Für die kleinen Knaben war aber auch gesorgt, da hingen zahllose Wagen und Pferde, Kanonen und Bleisoldaten, Säbel, Trommeln und Flinten. Unten um die Bäume herum aber standen weiße Bettchen für die großen Puppen, schön eingerichtete Stuben für die kleinen prächtigen Puppenküchen mit glänzendem Geschirr von Porzellan, Kupfer und Blech. Daneben prangten Kaufläden und Festungen, Ställe für die Pferde, Schäfereien und Puppentheater – nein, die Augen tun Einem weh, wenn man nur daran denkt, wie musste es erst dem Mathildchen beim Sehen zu Mute werden!


    Nachdem es sich da satt geguckt, führte es Christkindchen zu den Felsen, die zwischen den Bäumen liegen, da waren dann die niedrigsten auch wieder ganz mit Sachen für die kleinen Leute bedeckt. Da lagen Kleidchen und Hütchen, Hosen und Kittel aller Art, Mäntelchen und Kapuzen, Stiefel und Schuhe von allen Farben, am schönsten waren aber die von blauem lackiertem Leder, die das Christkind erst ganz neu von Paris hatte kommen lassen. Was aber dem Mathildchen fast am meisten in die Augen leuchtete, das war ein ganzer Berg von Bilderbüchern. Gott, wie schön! Alle unartigen und alle geschickten Kinder waren da in Menge abgebildet und ihre Geschichte stand in schönen Versen darunter gedruckt. Es bleibt jetzt von den Kindern gar nichts Böses mehr verborgen, die ganze Welt kann es lesen, wenn Elischen eigensinnig und Sophiechen zornig war, oder wenn der Louis die Schwester schlägt und der Fritz nichts lernen will. Wer als ungezogenes Kind in die Bilderbücher kommt, muss sich sehr schämen, aber wer als artiges darin steht, darf sich freuen, das merkt Euch wohl.


    Nun wollte aber das Mathildchen auch sehen, was vielleicht seine Mama und sein Papa, die Tante, der Onkel und die Großeltern von dem Christkindchen bekämen. Da fehlte es dann auch nicht an den wunderschönsten Sachen. Für die großen Leute war Alles auf dem hohen Felsen ausgebreitet und gar oft musste Mathildchen sich auf die fußspitzen stellen, um die schönen Kleider, die Uhren und goldnen Bücher und herrlichen Bilder sehen zu können. auf einmal aber standen sie einer hohen Wand gegenüber, vor der man nicht mehr weiter konnte, die duftete ganz köstlich, nicht wie Rosen und Veilchen, aber für kleine Nasen noch viel süßer und herrlicher. Ja, was war denn das? Ei, Kinder, das war ein ganzes Gebirge von Lebkuchen, Anisgebackenes, Marzipan, verzuckerten Früchten, Schokoladenbonbons, Zuckerbrezeln usw. usw.


    So viele gute Sachen hatte das Mathildchen noch nie in seinem Leben bei einander gesehen und es sperrte vor Erstaunen die Augen so ungeheuer weit auf, dass das Christkind laut darüber lachen musste.

    Es nahm aus der süßen Wand von jeder Sorte ein Stückchen und legte es in Mathildchens Schürzchen, es waren aber so viele, dass sie kaum Platz darin fanden und gar mancher Apfel und manche Nuss rollten wieder heraus und blieben unbeachtet an der Erde liegen. Christkindchen aber freute sich, dass Mathildchen nicht gleich ohne Weiteres in das Marzipan oder den Lebkuchen hinein biss, sondern hübsch damit warten wollte, bis zu Hause.


    „Jetzt komm‘, mein liebes Kind“, sagte es freundlich, „nun Du alle meine Herrlichkeiten gesehen, wähle Dir zum Christgeschenk davon aus, was Dir am besten gefällt.“ „Ach“, seufzte Mathildchen, „liebes Christkindchen, dort oben an dem Baum hängt eine Puppe mit blonden Locken, einem Strohhütchen mit einer Pfauenfeder, einer roten Bluse, roten Stiefelchen und einem schwarzen Gürtel, an dem eine kleine Ledertasche hängt. Diese Puppe gefällt mir am meisten von allen. Sie sieht mir so bekannt aus, als ob ich schon lange damit gespielt hätte, die möchte ich gar zu gerne haben.“

    „Du sollst sie bekommen, mein Kind“, sagte Christkindchen, schüttelte seine Flügel ein wenig auseinander, flog hinauf und holte die Puppe, welche ganz oben an der Spitze hing, herunter.

    „Und was nun noch?“

    „Noch mehr?“ rief Mathildchen erfreut, „ach, dann gebe mir für meine Puppe auch ein Bettchen, in dem sie des Nachts neben meinem Bette schlafen kann, und eine Wärmflasche darin, damit mein Kind sich nicht erkältet.“

    „Hier, mein Herz“, sagte Christkind und reichte Mathildchen eines von den schneeweißen Bettchen hin, in dem nicht allein eine Wärmflasche, sondern auch ein schönes langes Schlafkleid und ein weißes Nachthäubchen lag. Mathildchen war außer sich vor Freude; es drückte bald die Puppe und bald das Bett an sich, und hielt dabei sein volles Schürzchen fest, da sah es so drollig aus, dass selbst der Nikolaus ein freundlicheres Gesicht machte.


    „Wie ist es denn mit Deinen Schuhen?“ sagte jetzt das Christkindchen, „ich meine die blauen, lackierten Schuhe da aus Paris, dürften im Sommer zu Deinem weißen Kleidchen recht niedlich aussehen, die wollen wir auf das Puppenbett legen, und eines dieser Bilderbücher wäre für die langen Winterabende, die noch nach Weihnachten kommen, auch nicht zu verachten, meinst Du nicht?“

    „Christkind, liebes Christkind, du gibst mir zu viel, Du bist zu gut“, rief Mathildchen entzückt und file vor dem Christkindchen auf die Knie und sah es mit ganz verklärten Augen an. Aber Christkind hob es wieder auf, fuhr ihm mit seiner weißen Hand über die Locken und sprach sanft: „Du bist dankbar und bescheiden, meine Kleine, das ist mir lieb; bleibe nur so und damit Du es bleibst, darum sei fleißig und lerne etwas.


    Nimm noch dieses Büchlein hier mit den schöngemalten Buchstaben, sieh jeden Tag hinein und wenn es wieder Weihnacht ist, dann musst du so gut lesen können, dass ich dir eines von den schönen Lesebücher schenken kann, die hier stehen. Weil man aber nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit den Händen fleißig sein muss, gebe ich Dir dies Arbeitskästchen, da sind Nadeln, ein Fingerhütchen und eine Schere drin, damit lerne hübsch nähen, und mit den vergoldeten Stricknadeln hier und dem Kringel Garn strickst Du bis zum nächsten Jahr für die kleine Schwester ein Paar Strümpfe. Willst Du fleißig und folgsam sein und Dir Mühe geben, alles gut zu machen?“


    Als das Christkind so sprach, liefen dem Mathildchen wieder wie vorhin dicke Tränen über die roten Wangen, aber nicht wie vorhin aus Angst, sondern vor Glück und Freude und es rief: „Herzliebes Christkind, ich verspreche Dir das ganze Jahr und immer brav und fleißig, folgsam und bescheiden zu sein, so dass Du und meine Eltern und alle Leute daheim ihre Freude an mir haben!“


    „Nun, so geh‘ jetzt mein Kind“, sagte Christkindlein, indem es die Kleine auf die Stirne küsste, „die Sternlein werden blasser und der Mond ist schon lange schlafen gegangen. Eile Dich, damit du in Dein Bett kommst, sonst erschrickt Deine Mama, wenn sie Dich morgen früh nicht findet!“ Damit packte es dem Mathildchen seine Siebensachen zusammen, gab ihm Alles unter den Arm, ermahnte es die Schürze recht schön zuzuhalten und führte es auf den rechten Weg in den Wald.


    Aber, du lieber Himmel – auf dem Christkindplatz war es so warm und schön, da hatte man nichts davon gemerkt, in dem Walde jedoch schneite es ganz jämmerlich. „Liebes Christkind“, rief Mathildchen und das Weinen war ihm wieder näher als das Lachen, „sieh nur, wie es schneit; bis ich nach Hause komme, sind meine schönen Sachen alle verdorben!“

    „Das ist ärgerlich“, sagte das Christkind, „da schütteln die Engelein wieder mein Bett auf und jagen die Flocken durch den ganzen Wald. Aber ich will schon helfen, Nikolaus!“

    „Weiß schon, was ich soll“, brummte der Alte, ging nach dem Felsen und holte einen gar hübschen, kleinen Regenschirm von rotem Zeug herbei, spannte ihn selber auf und reichte ihn dem erstaunten Mathildchen hin. „Den soll ich auch mitnehmen?“ sagte es schüchtern, aber seine Stimme zitterte vor Freude.

    „Ja, nimm ihn nur, Naseweischen“, knurrte Nikolaus, „so ein Ding hast Du schon lange gebraucht und wenn Du jetzt nach Neujahr in die Schule gehst, wird es dir noch notweniger sein.“

    „Danke, lieber Nikolaus, danke!“ rief Mathildchen freudig.

    „Jetzt bin ich ein lieber Nikolaus, ja, so ist’s immer, wenn man den Leuten etwas schenkt“, schalt er hinter ihr drein, während sie schon mit eiligen Schritten den Berg hinab lief.


    Am nächsten Morgen konnte das Mathildchen gar nicht aus dem Bett heraus. Die Mama hatte es wohl schon dreimal geweckt, der Bruder stand vor ihrem Bett und rief: „Langschläfer-Tilla!“ und die Lisette versicherte ein- über das andermal, dass sie jetzt Mathildchens Frühstücksmilch der Katze geben werde.


    Endlich, endlich machte das faule Kind die Augen auf, rieb sich den Sandmann heraus und schaute verwundert in der Schlafstube umher. Die sah accurat aus, wie am Abend vorher, gar nichts Neues war darin zu erblicken.

    „Die Mama wird alles in das gute Zimmer getragen haben“, dachte Mathildchen, dann rief es laut: „Lisette, gib mir einmal meine Schürze, die ist ganz voll mit guten Sachen; ich brauche heute Morgen kein Brot zu meiner Milch, ich esse von meinem Guts und dem Bruder gebe ich auch davon.“

    „Was schwatzt das Kind?“ sagte die Lisette und sah ihre Madame ganz verwundert und lachend an.

    „Du brauchst mich gar nicht auszulachen, Lisette“, rief Mathildchen eifrig, „ich war heute Nacht oben auf der Böllsteinerhöhe und habe das Christkind und den Nikolaus gesehen und die haben mir herrliche Sachen geschenkt, eine prächtige Puppe und blaue Schuhe und einen roten Regenschirm und eine ganze Schürze voll Konfekt – Mama, wo hast Du denn alles hingetan?“ Das war ein Erstaunen – die Lisette schlug die Hände über den Kopf zusammen, der Bruder schrie: „Will auch gute Sachen und Regenschirm!“ Die Mutter aber nahm ihr Mathildchen auf den Schoß und sagte lachend: „Du dummes, kleines Mädchen! glaubst Du denn, die Mama würde ihr Mathildchen in der Nacht auf die Böllsteinerhöhe laufen lassen, ohne etwas davon zu merken? Du hast die ganze Nacht hier süß und sanft neben mir geschlafen, nur viel zu fest, denn der Papa ist schon längst ausgefahren zu den kranken Leuten und konnte Dir nur im Schlaf ein Küsschen geben.“

    „Wie, Mama?“ rief Mathildchen und schluchzte laut, „ich habe keine Puppe und keinen Regenschirm und kein ABC Buch?“

    „Nein, mein Herz, das hast Du nur geträumt, aber, aber, wenn du noch zweimal geschlafen hast, dann ist Weihnachten, dann kommt das liebe Christkind von seiner Höhe herunter zu uns und vielleicht bring es Dir dann etwas von den schönen Sachen, die Du im Traume gesehen.“

    „Ach, liebe Mama, sage ihm, dass es mir alles bringt, was es mir schon heute Nacht geschenkt – es war gar zu schön!“

    „Wir wollen sehen, mein Kind!“


    Zwei ganze Tage lang musste das Mathildchen noch warten und während dieser Zeit war es fast mäuschenstill und machte nicht halb so viel Lärm als sonst, denn es musste immer an das Christkind und dessen Herrlichkeiten denken. Sollte das alles wirklich nur ein Traum gewesen sein? Es hatte doch einmal irgendwo ganz deutlich die Puppe mit der roten Bluse und auch das schneeweiße Bettchen gesehen, nur wusste es jetzt nicht mehr recht, ob droben auf der Höhe oder in Mama’s Schrank.


    Aber nur Geduld – endlich musste ja alles kommen! Die Federn aus Christkindleins Bettchen lagen fast fußhoch, die goldnen Sterne flimmerten darüber hin, da schlug die große Glocke auf dem Kirchturm fünfmal: bum! bum! bum! bum! bum! Mathildchen und ihre Geschwisterchen saßen im Wohnzimmer und wagten kaum zu atmen. Es raschelte bald an dieser, bald an jener Türe so geheimnisvoll, und endlich war die ganze Familie versammelt, der Papa, die Mama, der Onkel, die Tante, die Kathrine und die Lisette.


    Noch einen Augenblick – da hörte man ein silberhelles Glöckchen klingen, die Saaltür flog auf, ach! da war Mathildchens Traum zur Wirklichkeit geworden!

    Vor ihm stand ein Christbaum fast so hoch als die Fichten auf der Böllsteinerhöhe, der war vollgesät mit Lichtern, goldnen Äpfeln und Nüssen, Marzipan, silbernen Kränzen und bunten Glaskugeln. Auf der einen Seite des Baumes stand der Nikolaus, ganz so wie ihn Mathildchen im Träume gesehen, mit dem Pelzrock, der Pelzmütze und einer großen Rute in der Hand, nur machte er ein freundlicheres Gesicht als damals, denn am Weihnachtsabend, wo alles vergnügt und lustig ist, kann er mit dem besten Willen auch nicht verdrießlich bleiben. auf der andern Seite des Baumes aber stand das liebe, goldige Christkind, und mochte den Kindern auch noch ein wenig bange sein vor dem Nikolaus, so verging ihnen schnell alle Furcht, wenn sie in sein freundliches Gesicht und seine guten, blauen Augen schauten. „Ach, liebes Christkind, bin ich denn wirklich nicht bei Dir gewesen?“ rief Mathildchen, „gerade so wie jetzt bist Du mir doch erschienen!“

    Da lächelte Christkind, legte den Finger auf den Mund, schüttelte seine Flügel auseinander und – weg waren sie Beide! Die Kinder standen da und starrten die leere Stelle an, wo sie gestanden.

    „Sie sind zum Fenster hinaus, Kinder“, sagte die Mama, „Papa, mache wieder zu ,es kommt viel zu kalt herein!“


    Der Vater schloss das Fenster und die Kinder fingen jetzt laut zu jubeln an. Da stand ja wahrhaftig alles beieinander, was Mathildchen im Traum geschenkt bekam – die Puppe, das Bett, die blauen Schuhe, das ABC – Buch, das Arbeitskästchen, das Strickzeug, der rote Regenschirm, nichts fehlte und am wenigsten die guten Bissen, die ihm Christkindchen in die Schürze gesteckt. „Papa, Mama“, rief es entzückt, „es ist alles da! Gewiss habe ich unterwegs beim Heimlaufen die schönen Sachen verloren und Ihr habt sie wiedergefunden!“

    „Richtig“, sagte die Mama, „so wird es sein. Alles kommt zur rechten Zeit – aber nur nicht mehr, wenn es wieder Weihnacht wird, ein naseweises Mädelchen sein.“ –


    Das wirkliche Mathildchen seufzte tief auf, nachdem die Tante geendet und sagte: „Die Christbescherung auf der Böllsteinerhöhe möchte ich aber doch auch einmal sehen.“ „Geh'“, antwortete die Tante, „Du bist ein kleiner Angsthase und würdest Dich gar nicht getrauen in die Nähe des Nikolauses zu gehen. Ich glaube fast, heute Abend kommt er hierher.“


    Husch, saßen Georg und Mathildchen auf der Tante Schoß, weil sie sich da sicherer glaubten, und sie hatte wirklich recht. Es rasselte an der Tür und schlug mit einer Rute daran , man hörte es ganz deutlich. Dann ging die Türe ein wenig auf und der Nikolaus rief mit seiner brummigen Stimme herein: „Sind hier die Kinder geschickt?“ und zugleich rollte er eine ganze Ladung von Äpfeln und Nüssen in’s Zimmer.

    Georg und Mathildchen nahmen die Tante fest um den Hals, die aber sagte: „Die Kinder sind recht lieb und brav, Nikolaus.“

    „Dann sollen sie hierher kommen und mir ein Händchen geben und mir einen Vers aufsagen!“

    Die Tante stand auf, die Kinder drückten sich immer noch scheu an sie, gingen aber doch mit bis zur Türe. „Nun, Mathildchen“, sagte die Tante, „gib jetzt dem Nikolaus schön eine Hand und sage den Christkindvers, den ich Dich gelehrt.“

    Mathildchen streckte zitternd ihre Hand durch die Türspalte, da strich ihr der Nikolaus mit der Rute darüber, dass sie schreiend wieder zurückfuhr.

    „Tut nichts“, rief die Tante lachend, „sage nun Deinen Vers“, und Mathildchen begann:


    „Liebes Christkind, lass mich sein

    Stets wie Du so fromm und rein,

    Und lass mich so gerne schenken,

    Und so treu für andere denken,

    Wie Du es tust weit und breit

    In der goldnen Weihnachtszeit!“


    „Schön“, brummte Nikolaus durch den Türspalt, „strecke jetzt noch einmal die Hand heraus!“

    Mathildchen gehorchte und jetzt berührte statt der Rute etwas Weiches ihre Hand und als sie dieselbe herein zog, hielt sie ein großes Lebkuchenherz fest.


    „Will auch“, rief Georg, „kann aber keinen Vers sagen!“

    „Das sollst du auch nicht, sei aber nur nicht mehr eigensinnig, sonst gibt’s was!“ so brummte es wieder durch die Türe. Georg streckte nun auch die Hand hinaus, die erst ein bisschen mit der Rute gestreichelt wurde, aber dann ein großes Stück Anisgebackenes bekam.


    „Gute Nacht! jetzt gehe ich wieder fort“, rief der Nikolaus noch herein, dann hörte man ihn mit seinen schweren Pelzstiefeln forttappen; im Hof gab es aber noch ein großes Geschrei, denn da hatte er der Lisette, die ihn necken wollte, tüchtig die Rute gezeigt. –

    „Jetzt aber schnell ins Bett, Kinder“, rief die Tante, „es ist die höchste Zeit!“










    Knäckebrot und Diamanten


    “Du bist also schon wieder auf Diät?” Ich sah meine Mutter zweifelnd an. Seit Jahren jagte sie einer Schlankheitskur nach der anderen nach. Mama nickte nur. “Diesmal halte ich es auch durch.” Das sagte sie jedes Mal. Ich grinste und stand auf. Mit einem Lächeln erklärte ich meiner Mutter, dass ich mich mit Papa zum Shoppen verabredet hätte. “Was kauft ihr denn ein?” Ich lachte und sagte beim Verlassen der Küche: “Weihnachtsgeschenke natürlich, was sonst?”


    Papa und ich saßen im Wohnzimmer, auf dem Tisch stand die Schmuckschatulle mit dem Ring, den er meiner Mutter gekauft hatte. Geschmack hatte mein Vater, das musste man ihm lassen. Allerdings auch einen Hang zu schwarzem Humor. Denn genau als ich aufstand, um Geschenkpapier zu holen, damit ich den Ring verpacken konnte, schüttelte er den Kopf. “Den brauchst Du nicht einpacken.” Ich sah ihn fragend an. Papa grinste verschmitzt, was ihn glatt 20 Jahre jünger aussehen ließ. Er erklärte: “In der Küche steht eine Packung Knäckebrot, hol die mal.” Ich war verwundert, folgte aber seinem Wunsch. Hatte er Hunger? Ich brachte im das Gewünschte und er nahm die noch geschlossene Packung, öffnete sie vorsichtig, nahm den Ring aus dem Schmuckkästchen und ließ in vorsichtig in die Packung gleiten. Dann schloss er die Packung und reichte sie mir. “Das kannst du jetzt einpacken.”


    Ich sah ihn für einen Moment zweifelnd an. “Findest du das wirklich eine gute Idee? Meinst du nicht, Mama ist beleidigt, wenn du ihr Knäckebrot schenkst?” Er schüttelte den Kopf. “Deine Mutter wird den Ring finden, und den Spaß verstehen, Ela. Da sei dir mal sicher. Ich bin seit über 20 Jahren mit ihr verheiratet.” Ich nickte, und langsam packte ich die Schachtel Knäckebrot ein, um sie dann zu den anderen, bereits verpackten Geschenken zu legen. Sicher hatte Papa recht. Eigentlich war meine Mutter immer für einen Spaß zu haben.


    Der Heilige Abend verlief wie immer in unserer Familie. Nach dem Essen saßen wir gemütlich im Wohnzimmer zusammen, sangen mit Oma und Opa ein paar Weihnachtslieder und lasen die Weihnachtsgeschichte vor. Dann ging es an die Bescherung. Die glitzernden Päckchen wurden verteilt, und Stück für Stück ausgepackt. Unter fröhlichen Geplapper und mit erfreuten Gesichtern unterhielten wir uns. Bis meine Mutter die Packung Knäckebrot auspackte. Es war deutlich zu sehen, dass sie sich um ein Lächeln bemühte, jedoch misslang dies gründlich. Sie sah erst mich an, dann wandte sie sich zu meinem Vater um. Ihre Stimme war schneidend, als sie nur ein einziges Wort sagte: “Knäckebrot?” Mein Vater machte ein unschuldiges Gesicht, er war ein hervorragender Schauspieler. Seine Antwort ließ die Zornesröte im Gesicht meiner Mutter erscheinen, sie rang um Fassung als Papa sagte: “Nun, du sagst doch immer, dass wir uns nichts schenken sollten. Und ohne wenigstens eine Kleinigkeit für dich zu haben, hätte mir Weihnachten keinen Spaß gemacht, weißt du? Und da du im Moment auf Diät bist, dachte ich, eine Packung Knäckebrot wäre sinnvoll.”


    Die eingetretene Stille im Raum wurde von Opas Kichern unterbrochen, und dieses Geräusch schien den Gefühlsausbruch meiner Mutter herbeizuführen. Tränen liefen über ihre Wangen, erbost stand sie auf, verließ ohne ein weiteres Wort und mit der Packung Knäckebrot in der Hand den Raum. Das Letzte, was wir an diesem Weihnachtsabend von ihr hörten, was das Schmettern der Schlafzimmertür, danach herrschte erneut Stille. Ich sah meinen Vater an, der schüttelte den Kopf zunächst, dann nickte er. “Sie wird sich wieder beruhigen.” Nur wenig später verließen Oma und Opa uns auch, und wir gingen alle zu Bett.


    Am Weihnachtstag kam ich schlaftrunken in die Küche. Meine Mutter saß am Küchentisch und trank eine Tasse Kaffee, ihr Blick kalt und abweisend. Ich setzte mich zu ihr. Statt eines “Guten Morgen” gab sie lediglich ein gequältes “Knäckebrot” von sich. Ich zuckte mit den Achseln. “Hast du die Schachtel denn geöffnet?” Ich sah meine Mutter während meiner Frage prüfend an. Diese schüttelte den Kopf. “Ich habe sie weggeworfen. Sie liegt im Müll.” Ich riss die Augen auf, erhob mich und rannte hinunter in den Keller des Mietshauses, in dem wir wohnten. Mit klopfendem Herzen öffnete ich den Deckel unserer Mülltonne. Beißender Geruch nach Abfall stieg in meine Nase. Ich sah keine Schachtel mit Knäckebrot. Beherzt begann ich mit den Händen im Müllbeutel zu wühlen. Die Packung war nicht da. Mit hängenden Schultern stieg ich die Treppen wieder hinauf.


    Meine Mutter hatte ihre Position nicht verändert, sie blickte mich fragend an. “Du hast kein Knäckebrot von Papa bekommen, das war nur ein Witz. In der Packung war ein Ring!” Ich sah das Blitzen in den Augen meiner Mutter, ihr Mund öffnete sich und sie erhob sie, um in Richtung Tür zu gehen. “Spar dir den Weg, die Schachtel liegt nicht im Müll.” Als wären meine Worte sein Stichwort, öffnete sich die Küchentür, und Papa kam herein. “Was liegt nicht im Müll?” Mit wenigen Worten erklärte ich, was vorgefallen war und bemerkte, wie meine Mutter auf ihrem Stuhl immer kleiner zu werden schien. Mein Vater grinste, goss sich eine Tasse Kaffee ein und betrachtete meine Mutter schweigend für einen Moment. Die sah zu Boden, offensichtlich unfähig, meinem Vater in die Augen zu sehen. Sie sagte kein Wort. Papa drehte sich zu mir um, und mit der gleichen Stimme wie gestern sagte er noch einmal den Satz: “Ich bin seit über 20 Jahren mit Deiner Mutter verheiratet, Ela. Ich kenne die Frau.” Mit diesen Worten drehte er sich um, und öffnete ein Küchenschränkchen. Er entnahm eine geschlossene Packung Knäckebrot und hielt sie meiner Mutter hin. Mit einem Zwinkern fuhr er fort: “Es war mir klar, dass sie im Zorn die Packung wegwerfen würde. Also habe ich die Packungen ausgetauscht. Diese Schachtel hier ist das eigentliche Geschenk.”


    Das Lächeln meiner Mutter war kläglich, als sie mit zitternden Fingern die Schachtel öffnete, doch schon einen Augenblick später strahlte sie über das ganze Gesicht. Wortlos stand sie auf, umarmte meinen Vater und flüsterte: “Ich bin noch genauso dumm wir vor über 20 Jahren, aber ich würde dich jederzeit wieder heiraten.”





    Die verschwundenen Geschenkanhänger

    Lisa und ihre Mutter hatten sich in diesem Jahr eine ganz besondere Idee für ihre Geschenkverpackungen an Weihnachten ausgedacht. Lisa war schon in der Schule und wusste seit einem Jahr, dass die Sache mit dem Christkind zwar eine ganz nett ausgedachte Geschichte war, aber nicht ganz der Wahrheit entsprach. Wenn Lisa nicht immer so viel im Haus herumgschnüffeln würde, dann hätte sie vielleicht auch noch ein bis zwei Jahre länger an das Christkind geglaubt. Lisa war aber nun mal ein neugieriges Kind.


    Im vorletzten Jahr, als Lisa einen ganzen Stapel Weihnachtsgeschenke im Keller gefunden hatte, hatte sich ihre Mutter noch mit der Ausrede aus der Bredouille gezogen, sie sei ein Helfer des Christkindes, da es am Heiligen Abend ja nicht so schwer tragen könne. Lisa war kurz misstrauisch, sah das Dilemma des Christkindes aber ein. Im letzten Jahr war es aber dann vorbei mit dem Glauben an das Christkind. Als sie im Auto ihres Vaters eine Tüte eines Spielzeugladens fand, in dem augenscheinlich der größte Wunsch ihres kleinen Bruders lag, musste sie noch nicht einmal eins und eins zusammenzählen, um zu begreifen, was dort vor sich ging. Ihre Mutter gab auf und dachte sich auch keine neue Ausrede mehr aus. Sie schaute ihren Mann streng an und dann musste Lisa ihr hoch und heilig versprechen, ihrem kleinen Bruder nichts von der Geschichte mit dem Christkind zu erzählen. Lisa versprach es.


    Zurück zu der Idee mit den Geschenkverpackungen. Lisa brachte aus der Schule die Idee mit, die Geschenkanhänger für die Weihnachtsgeschenke selbst aus Plätzchenteig zu backen und hübsch zu verzieren. Ihre Mutter fand die Idee toll! Lisa würde die Geschenkanhänger backen und ihre Mutter die Anhänger an die richtigen Geschenke hängen. Gesagt getan.


    Lisa gab sich wirklich viel Mühe. Die kleinen Glocken, Tannenbäume Engel und Herzen waren wunderschön geworden. Alle waren mit Perlen, Schokolade oder Zuckerguss verziert. Nach dem Trocknen zogen die Beiden noch goldene Bänder durch die Plätzchen und legten sie in eine Dose.

    Zwei Tage später war der Heilige Abend da. Es war Tradition, dass Lisa und ihre Mutter gemeinsam den Baum schmückten. Lisas Vater und ihr kleiner Bruder hatten noch einen Laib Brot besorgt und tranken in der Küche eine Tasse Tee und sangen Weihnachtslieder.


    Als der Weihnachtsbaum fertig geschmückt war wurde das Weihnachtszimmer verschlossen.

    Die Kinder und der Vater zogen sich für die Kirche um. Lisas Mutter legte heimlich, still und leise die Geschenke unter den Baum und holte die Dose mit den Geschenkanhängern. Sie war leer! Lisas Mutter schaute in allen anderen Dosen nach, suchte die Plätzchen im Keller, auf dem Dachboden, ja sogar im Badezimmer – sie waren nicht mehr aufzufinden.


    Es blieb ihr nichts anderes, als die Geschenke ohne Anhäger unter den Baum zu legen, sie mussten ja schließlich los, um nicht zu spät in die Kirche zu kommen. In ihren Gedanken breiteten sich die wildesten Vorstellungen über das chaotischste Weihnachtsfest überhaupt aus.

    Um Lisas kleinem Bruder den Glauben an das Christkind nicht zu nehmen, wurden die Geschenke an diesem Weihnachtsfest so verteilt, wie sie einem in die Hände fielen…


    Es wurde nicht chaotisch, dafür aber sehr lustig! Lisas Mutter bekam eine Bohrmaschine, Lisa einen Traktor, Lisas Vater eine Kette und passende Ohrringe, und Lisas kleiner Bruder Buntstifte, die glitzerten. Mit Verlaub – sie gefielen ihm! Auch an den folgenden Tagen blieb es unterhaltsam, Lisas Oma bekam ein Oberhemd mit Krawatte, die Tante neue Tennissocken und ihr Opa eine Porzellanterrine.


    Erst an dem Zeitpunkt, an dem Lisas Vater ihrer Mutter ein Lob für die leckeren Plätzchen am Heiligen Abend aussprach, die er mit Lisas kleinem Bruder in der Küche zum Tee verzehrt hatte, wurde es kurz still im Raum…




    Unsere Weihnachtskrippe


    Hier ein Brief, den der vierjährige Paul seinem Vater diktiert hat:


    Liebes Christkind,


    in diesem Jahr ist so einiges passiert und ich möchte mich bei dir entschuldigen. Die Mama hat gestern etwas von einer Grippe erzählt und hatte einen Karton dabei. „Ist da die Grippe drin?“ habe ich gefragt und Mama sagte „Ja, in diesem Jahr darfst du sie auspacken!“


    Ich war doch gar nicht so frech, dass ich eine Grippe verdient hatte, dachte ich. Also nahm ich den Karton und überlegte was ich damit anstellen könnte. Auspacken würde ich ihn bestimmt nicht, schließlich erinnerte ich mich noch gut an die Grippe vom vorherigen Jahr. Ich nahm den Karton und schmiss ihn in einem hohen Bogen aus dem Wohnzimmerfenster (wie du sicher weißt, wohnen wir im dritten Stock). Das schepperte und ich freute mich, dass die olle Grippe kaputt gegangen war.


    Meine Mutter freute sich nicht. Sie schlug die Hände vor den Mund, schimpfte wie ein Rohrspatz und lief zur Straße um den Karton wieder nach oben zu holen. „Was hast du denn Mama?“, fragte ich unschuldig „bist du nicht auch froh, dass die Grippe kaputt gegangen ist? Wir wollen doch nicht krank werden, oder?“, ich war wirklich ahnungslos. Jetzt verstand auch meine Mutter meine Verwirrung: „Nicht GRIPPE, Schatz! KRIPPE!“, und obwohl sie sehr traurig darüber war, dass die schöne Krippe kaputt gegangen ist, musste sie jetzt auch ein bisschen über meine Verwirrung lächeln.


    Wir packten die Krippe aus und schauten uns das Schlamassel an:

    Josef hatte den Kopf verloren, die Futterkrippe in der das Jesuskind liegen sollte, bestand nur noch aus Einzelteilen, ein Schäfer hatte seinen Stock mit samt der Hand eingebüßt und die heiligen drei Könige hatten keine Geschenke mehr dabei.


    Mir wurde ganz flau im Magen, als ich sah, dass meine Mutter Tränen in den Augen hatte. „Das kriegen wir schon wieder hin!“, sagte ich, holte eine Tube Klebe und kramte in meiner Spielzeugkiste und in Mamas Schubladen.


    Wunder dich also bitte nicht, dass der Kopf von Josef jetzt ein bisschen so aussieht wie der von Batman und du in einer leeren, aber sehr schön bunt bemalten, Käseschachtel liegst (ich habe sie auch gut mit Taschentüchern ausgepolstert, die sind viel weicher als Stroh). Der Schäfer hat statt des Stocks jetzt die magische Hand und den Zauberstab von Merlin und die heiligen drei Könige haben richtig coole Geschenke für dich dabei: Einen Flummi, ein Kaugummi und einen Legostein (Melchior konnte nur einen Legostein tragen, aber du kannst dir ganz viele aus meiner Lego-Kiste nehmen).


    Ich hoffe du bist nicht sauer, ich selbst finde die Krippe jetzt sogar ein bisschen schöner als vorher.


    Dein Paul

    Ein moderne Vatiante der Krippe :)weihnachten 5





    Das ist mir auch ein Rätsel, vielleicht kann uns da mal ein Mod aufklären, oder einer der mehr Ahnung hat als ich.

    Möglicherweise ist es ein Titel drin, den ein Autor hier nicht haben will und den Download deswegen an filer meldet. Dann löscht filer die Datei. Wenn das anhält den Link nur noch über PM raus geben.


    Rote Christbaumkugeln


    Elfi brauchte unbedingt neue Christbaumkugeln. Die letzten hatten 20 wundervolle Jahre überstanden, ohne dass je eine von ihnen auch nur einen Kratzer abbekommen hatte. Dann kamen die Enkelkinder.


    Elfi liebte ihre Enkelkinder wirklich. Über alles. Aber sobald die Adventszeit begann wurde Elfi jedes Jahr ein wenig nervös, wenn die Enkelkinder zu Besuch kamen. Man konnte einfach nicht alles „hoch“ stellen, so dass sie mit ihren kleinen Ärmchen nicht mehr an Glasengel, Adventskranz oder Schwibbogen heran kamen. Auch die Christbaumkugeln konnte Elfi irgendwann nicht mehr höher an den Baum hängen. 20 rote Christbaumkugeln aus Echtglas kann eine Christbaumspitze einfach nicht alleine tragen.


    In den letzten vier Jahren waren zehn von ihnen kaputt gegangen. Weitere vier hatte der Dackel der Nachbarn auf dem Gewissen, der im letzten Jahr am zweiten Weihnachtsfeiertag zu Besuch kam und einmal unter dem Baum hindurch fegte – der Baum kippte um.


    Elfi war also auf dem Weg ins Kaufhaus, um neue Christbaumkugeln zu kaufen. Rote. Wie in den letzten Jahren. Nach dem dritten Kaufhaus war sie sich bewusst, dass sie vor einem kleinen Problem stand. Es gab keine roten Christbaumkugeln mehr. Jedenfalls nicht solche, die sie als rot empfand. Es gab orange-rote Kugeln, Christbaumkugeln in Pink, rote Kugeln mit Pailletten, lilafarbene Kugeln, blaue, hellgrüne, ja sogar gelbe Christbaumkugeln. Elfi hatte sich mit vielen Verkäuferinnen unterhalten, die ihr allesamt zur Antwort gaben, dass klassisch rote Kugeln einfach nicht mehr modern waren. Die, die sie im Sortiment hatten waren entweder ausverkauft oder aus Plastik. Plastik war zwar bruchsicher vor Enkeln und Nachbarsdackel, kam aber für Elfi überhaupt nicht in Frage. Wie stünde sie denn da?!


    In einem kleinen Geschäft in einer Seitengasse fand Elfi noch vier schöne, rote Christbaumkugeln. Sie ließ sie gut und sicher einpacken und trug sie ganz vorsichtig nach Hause. Vier hatte sie. Wie aber sollte sie die vier Kugeln am Christbaum verteilen? Horst, ihr Mann, kaufte immer große Weihnachtsbäume, die bis unter die Decke ragten. Er meinte, das gehöre zu einem perfekten Christbaum dazu. Für Horst-entsprechende Weihnachtsbäume brauchte man schon zwanzig Kugeln, das war außer Frage.


    Elfi machte sich auf den Heimweg. Sie freute sich über ihre vier neuen Kugeln, war aber gleichzeitig unglücklich darüber, dass es eben NUR vier waren. Sie überlegte und überlegte und kam dann zu einem Entschluss: Sie würde sich einfach nach und nach neue Christbaumkugeln wünschen. Und für die Zwischenzeit hatte sie einen Plan.


    Der erste Weihnachtstag kam. Als ihre Kinder und Enkelkinder das Weihnachtszimmer betraten, staunten sie nicht schlecht. Oben sah Oma Elfis Baum aus wie in jedem Jahr. Aber unten? Da hingen ja lauter bunte Christbaumkugeln: gelbe, lilafarbene, hellgrüne, ja sogar welche in pink! Die Familie betrachtete das „Kunstwerk“ – ja, so hätte man es nennen können – aus der Ferne. Und es dauerte eine ganze Weile, bis die Enkelkinder nach den Geschenken fragten, so verblüfft waren sie.


    Elfi hatte sich gedacht, das diese „neumodischen Kugeln“ doch wohl eher was für die Kinder seien. Und dass es ihr dabei auch gar nichts ausgemacht hätte, wenn diese nach und nach kaputt gingen. Es war aber in diesem Jahr so, dass die Enkel so verwundert über den neuen Weihnachtsbaumbehang waren, dass sie es gar nicht wagten, auch nur eine der Kugeln anzufassen. Selbst der Dackel von nebenan blieb wie angewurzelt in der Zimmertür stehen, als er von einer leuchtend gelben Kugel geblendet wurde...


    Elfi hatte entspannte Weihnachtsfeiertage, ohne sich auch nur einmal Sorgen um ihre Christbaumkugeln zu machen. Sie war nur ein wenig verwundert, dass in diesem Jahr keine Kugeln kaputt gingen.


    Ihre Kinder aber fanden die bunten Kugeln so scheußlich, dass Elfi im darauffolgenden Jahr zu allen Anlässen neue, schöne rote Christbaumkugeln geschenkt bekam. An Weihnachten hatte sie so ihre zwanzig Kugeln wieder voll.


    Und in jenem Jahr war dann alles wieder so wie früher...




    Moin LUCYBAT,

    bis zum 27.10.2019 Ausgabe 44 hat Bagheera wöchentlich bzw im zweiwöchentlichen Modus den S P I E G E L angeboten. Meine B I T T E ist/war, das Angebot ab Nummer 45/2019 weiterzuführen, mehr nicht. Wenns nicht geht, gehts nicht, will nicht nerven.

    Maudit

    Du nervst nicht. Ich hatte dich eher so verstanden, dass du ältere Ausgaben suchst. Und dann ist es hilfreich zu wissen welche. Der Thread wird auf jeden Fall weitergeführt.


    LG

    Lucy

    Hallo Jon,


    nein, der Thread kann ruhig bleiben denn ich denke dieses Thema ist vielen weder bekannt noch bewusst und von daher durchaus sinnvoll um den vollen Umfang auch einmal zu verstehen. Wie gesagt, bis du dich erstmalig bei mir gemeldet hast war mir das in dieser Tiefe auch nicht bekannt.


    Mir ging es lediglich um den konkreten Fall der jetzt wieder aufgetaucht ist. Da muss man gezielt arbeiten und den Uploader direkt darauf hinweisen und die Sachen runternehmen. Ihr wisst, dass ich es auf keinen Fall unterstützte, dass Sachen aus einem geschlossenen Forum herausgetragen werden. Allerdings kann es immer sein, dass der Uploader das gar nicht weiß, weil er die Datei ganz woanders her hat. So etwas muss man klären und die Leute sensibilisieren. Anders geht es leider nicht.


    Was ganz sicher nicht erreicht werden sollte ist, dass ihr deswegen euer geschlossenes Forum nicht weiter betreibt. Aber in der Tat müsst ihr dann bei euch klären, wer die Sachen rausträgt und Konsequenzen daraus ziehen.


    LG

    Lucy

    Liebe Leute,

    ich möchte euch bitten, zumindestens würde ich mich riesig freuen, wenn DER SPIEGEL mit den fehlenden Ausgaben "aufgefüllt" wird.

    Für die Mühe herzlichen Dank im voraus.

    Maudit

    Hallo Maudit,


    bitte beachte den richtigen Bereich. Wünsche in die Wunschecke. Und gib bitte an, welche Ausgaben du haben möchtest, sonst muss ich deinen Wunsch löschen.


    Danke

    Lucy